Kaputter Schranken kostete Lenker fast das Leben

Der 49-Jährige fuhr mit Tempo 30 in die Bahnkreuzung ein, den Zug sah er nicht. Der Wagen fuhr in die Seite der Zuggarnitur
Wagen von 49-jährigem Winzer von herannahendem Zug erfasst. Er blieb beinahe unverletzt.

Er wird wohl künftig am 13. September seinen zweiten Geburtstag feiern: Nur purem Glück ist es zu verdanken, dass ein 49-jähriger Winzer und Gastronom aus dem Süden Wiens am Sonntag an einer Tragödie vorbeigeschrammt ist. Weil an einem Bahnübergang in Münchendorf, Bezirk Mödling, die Schrankenanlage ausgefallen war, krachte der Wirt mit seinem Pick-up in einen Zug der Pottendorfer Linie.

Wie durch ein Wunder wurde der Familienvater nur leicht verletzt. Er konnte das Krankenhaus Mödling nach ambulanter Behandlung noch am selben Tag verlassen. „Wenn er eine Sekunde früher dran gewesen wäre, wäre er nicht mehr heimgekommen“, sagt Feuerwehrkommandant Andreas Polacsek überzeugt. Wegen der dichten Büsche entlang der Schienen, hatte der Winzer keine Chance, den Zug rechtzeitig zu sehen. Er fuhr mit seinem Geländewagen in die Seite der Garnitur, die mit 100 km/h herangerast kam. Das Auto wurde weggeschleudert und kam auf der Seite zu liegen.

Es gehe dem 49-Jährigen gut, sagt Feuerwehrmann Armin Lahner, der die Familie kennt und auch selbst im Einsatz war. „Es war Glück im Unglück, dass er vermutlich nur mit Prellungen davongekommen ist.“ Sogar zur Weinlese hätte der Winzer am Montag schon wieder aufbrechen wollen.
Die Feuerwehr berichtet, dass es bereits vor wenigen Tagen Arbeiten seitens der Bahn an der Schrankenanlage gegeben habe.

Alarm in der Leitstelle

Bei den ÖBB hat man die defekte Schrankenanlage samt Läutwerk sofort nach dem Unglück inspiziert. „Es ist ein Problem aufgetreten, dass so in der 175-jährigen Eisenbahngeschichte bisher nicht bekannt war“, erklärt ÖBB-Sprecher Christopher Seif.

Da die Pottendorfer Linie im Zuge des Ausbaus erst ab dem kommenden Jahr über eine elektronische Gleisfreimeldeanlage verfügt, wird die Schrankenanlage in diesem Abschnitt vom Fahrdienstleiter geregelt. Dieser hat für den Zug die Strecke freigegeben und auch die Schließung des Schrankens per Knopfdruck veranlasst. „Genau in diesem Augenblick ist aber der Seilzug des Schrankens kaputt gegangen und die Anlage hat nicht mehr geschlossen“, sagt Seif.

80 dieser nicht mehr zeitgemäßen Anlagen mit Läutwerk sind noch in ganz Österreich in Betrieb. „Wir haben den Vorfall zum Anlass genommen, um alle einer Sicherheitsüberprüfung zu unterziehen“, sagt Seif. Grundsätzlich seien Unfälle bei Bahnkreuzungen aufgrund eines technischen Gebrechens sehr selten, heißt es bei den ÖBB. In den vergangenen zehn Jahren waren es weniger als fünf.

Münchendorfs Bürgermeister Josef Ehrenberger nimmt den Fall zum Anlass um auf Unterführungen entlang der Strecke zu drängen: „Man muss jetzt aber schnell schauen, dass man diese alten Anlagen wegbekommt.“

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