Chronik | Niederösterreich
18.03.2017

Kahlschlag im Auwald: Letzter Rest darf bleiben

Fällstopp im Auwald. Umweltanwalt will landesweite Vorgaben für Schlägerungen im Schutzgebiet.

KURIER-Erfolg: Nach dem Bericht über den radikalen Kahlschlag im Auwald nahe Wimpassing, Bezirk St. Pölten, hat das Land nun rasch reagiert. Ein sofortiger Fällstopp soll den verbliebenen Rest der bis zu 150 Jahre alten Bäume schützen. Zudem muss auf der geschlägerten Fläche sofort mit dem Aufforsten begonnen werden.

Der Schock bei den Anrainern der sogenannten "Bornigg" saß tief: In einer Radikal-Aktion waren Tausende Quadratmeter mächtiger Auwald-Riesen umgelegt worden. Vom idyllischen Tal blieb eine traurige Brache. Das Gelände ist ausgewiesenes EU-Schutzgebiet nach Natura 2000. Die Forstbehörde hatte im Wald die Baumkrankheit "Eschenwelke" festgestellt, die Bezirksverwaltung hatte wegen Gefahr in Verzug das Fällen angeordnet. Laut der Naturschutzorganisation "Lanius" fielen aber nicht nur kranken, sondern auch zahlreiche gesunde Eichen, Erlen, Hainbuchen und Feldahorn der Säge zum Opfer. Zu Unrecht, wie auch NÖ Umweltanwalt Tom Hansmann vermutet: "Es sieht aus, als ob hier ein Schutzgebiet verletzt worden wäre."
Am Freitag kam es zur Krisensitzung von Umwelt- und Forstbehörde im St. Pöltener Landhaus. Die Tatsache, dass hier möglicherweise eine EU-Schutzzone mutwillig zerstört wurde, beschleunigte die Amtswege. Schon zu Mittag war klar: Für das letzte Drittel des Auwaldes gilt ein Fällstopp. Er muss nun noch einmal begangen und das Ausmaß der Baumkrankheit erhoben werden. Nur Eschen, die tatsächlich eine Gefahr für Spaziergänger darstellen, dürfen noch umgesägt werden. Der Grundbesitzer, ein Landwirt aus der Region muss außerdem sofort wieder aufforsten. "Es werden standortgerechte Bäume wie Schwarzerlen, Weißpappeln oder Vogelkirsche gesetzt", sagt Umweltlandesrat Stephan Pernkopf.

Gutachten

Erledigt ist der Fall für Umweltanwalt Tom Hansmann nicht. Er wartet noch auf ein Gutachten des Amtssachverständigen und will eine generelle Lösung für derartige Fälle: "Baumkrankheiten nehmen zu. Die Frage, was das für Schutzzonen wie Natura 2000 heißt, ist ungeklärt. Ich hoffe, dass wir eine generelle Regelung finden, die künftig angewandt werden kann."