Julia Kührer ist seit rund fünf Jahren tot

Das Skelett des Mädchens wurde am 30. Juni 2011 auf dem Grundstück von Michael K. gefunden. Der Verdächtige bleibt auf freiem Fuß.
Foto: NIhad Amara

Der Hauptverdächtige im Fall Kührer bleibt frei. Die Gerichtsmediziner konnten nun den Todeszeitpunkt eingrenzen.

D er derzeit einzig Verdächtige im Kriminalfall Julia Kührer bleibt auf freiem Fuß. Das Oberlandesgericht (OLG) Wien hat die Beschwerde der Staatsanwaltschaft Korneuburg gegen die Enthaftung von Michael K., 49, abgelehnt. Die Ermittlungsbehörde und die Kriminalisten nahmen die Entscheidung am Donnerstag nur naserümpfend zur Kenntnis. Sie wollen weiter Beweise sammeln, um so den Verdacht gegen K. zu erhärten.
Denn nach Ansicht des Drei-Richter-Senats am OLG, der über die Berufung entscheiden musste, ist kein dringender Tatverdacht gegeben. Das Skelett von Julia Kührer wurde zwar auf dem Grundstück von Michael K. in Dietmannsdorf im Bezirk Hollabrunn in einem Erdkeller gefunden. Wer aber die Leiche dort abgelegt hat und ob es sich überhaupt um Mord handelt, dafür fehlen noch die nötigen Beweise. "Einer der Knackpunkte ist sicher, dass die Todesursache noch nicht feststeht", muss der Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg, Karl Schober, eingestehen. Die dafür notwendigen Tests des gerichtsmedizinischen Sachverständigen Wolfgang Denk und weiterer Gutachter werden sich noch bis September hinziehen.

Todeszeitpunkt

Das Skelett des Mädchens wurde am 30. Juni 2011 auf dem Grundstück von Michael K. gefunden. Der Verdächtige bleibt auf freiem Fuß. Foto: NIhad Amara Das Skelett des Mädchens wurde am 30. Juni 2011 auf dem Grundstück von Michael K. gefunden. Der Verdächtige bleibt auf freiem Fuß.

Derzeit ist nur mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu sagen, dass der Todeszeitpunkt des Mädchens in unmittelbarer Nähe ihres Verschwindens am 27. Juni 2006 liegt. Dies wurde Staatsanwaltschaft und Bundeskriminalamt mündlich von der Gerichtsmedizin mitgeteilt. Fraglich ist, ob aufgrund der langen Liegezeit des Skeletts sowie der äußeren Einflüsse - es wurde versucht, die Überreste zu verbrennen - die Todesursache überhaupt noch bestimmt werden kann.

Der Verdächtige, Michael K., zeigte sich über die Entscheidung des OLG erleichtert. "Ich habe immer gewusst, dass ich damit nichts zu tun habe. Ich wusste, dass ich nicht in U-Haft kommen werde. Es wird auch keine Anklage gegen mich geben", sagt der 49-Jährige.

Dennoch konzentrieren sich die Ermittlungen in dem Fall weiter gegen seine Person. Einen neuen Antrag auf U-Haft kann die Anklagebehörde aber erst dann stellen, wenn neue Beweise vorliegen. Das Hauptaugenmerk der Untersuchungen liegt auf K.s beiden früheren Fahrzeugen. Finden sich darin nämlich noch DNA-Spuren von Julia Kührer, wäre das ein neuer Beweis. Ein Auto haben Niederösterreichs Tatortspezialisten bereits auseinandergenommen und jedes verdächtige Haar sowie Fasern sichergestellt. Der DNA-Abgleich im Labor dauert noch an.

Litauen ist stur

Ein zweites Fahrzeug haben die Ermittler in Litauen ausfindig gemacht. Derzeit kommen sie jedoch nicht an den Lieferwagen heran. Grund ist anscheinend die angespannte politische Lage zwischen den beiden Ländern seit der Freilassung des mutmaßlichen KGB-Agenten Golowatow, der an Litauen hätte ausgeliefert werden sollen (siehe auch Seite 3) . Das Auto werde deswegen zurückgehalten, meinen gut informierte Insider. Bundeskriminalamt und Staatsanwaltschaft dementieren dies: "Es gibt logistische Probleme."

(KURIER / Patrick Wammerl und Nihad Amara) Erstellt am
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