Josef Umathum – der Wein-Philosoph

Der burgenländische Winzer über bio-dynamische Lebensweise, das schwierige Weinjahr 2008 und den "Unsinn" DAC.

Es gibt kaum einen Landwirt in Österreich, der seine Arbeit nachdenklicher und nachhaltiger macht, als Josef Umathum aus Frauenkirchen. Der Burgenländer hat schon alle nur erdenklichen qualitätsfördernden Maßnahmen umgesetzt: Er verwendet erprobte Klone aus eigener Rebschule, er gewinnt Hefe aus den eigenen Weingärten und kellertechnisch ist er am letzten Stand der Technik. Ein gewisser Hang zur Perfektion gepaart mit vielen Jahren Erfahrung ergeben grandiose Weine, die jeden Weinfreund ehrfürchtig werden lassen.

Ganz aktuell erreichte uns die Meldung, dass Umathum in Polen zum "Winzer des Jahres" gekürt wurde. Dabei konnte er sich gegen namhafte internationale Konkurrenz wie Dirk von der Niepoort aus Portugal, Alvaro Palacios aus Spanien, Reichsrat von Buhl aus Deutschland, Attila Gere aus Ungarn, Clos du Val aus Kalifornien und andere klar durchsetzen.

Seitenblicke auf die Zukunft

Mit den Erfolgen ist Josef Umathum gelassener geworden. Im Gespräch mit kurier.at sagt der Frauenkirchner, dass er früher sicher "verbissener" war. Er versuche jetzt, sich von der Seitenblicke-Gesellschaft fern zu halten und sich auf Qualitätserhaltung und –förderung im eigenen Weingut zu konzentrieren. Vermutlich auch ein Grund für die Umstellung auf bio-dynamische Bewirtschaftung, die sich über mehrere Jahre zieht. Umathum hat bereits 2004 mit einer kleinen Parzelle begonnen, aber erst die Ernte 2010 kann als echt bio-dynamisch betrachtet werden.

"Göttliche" Weine

Der Winzer bezeichnet die Bio-Dynamie als "Mutter der Homöopathie". Mit speziellen Präparaten werden Impulse gesetzt, man arbeitet mit Tees, um die Pflanzen zu stärken. Für Umathum zählt aber mehr der philosophische Ansatz: "Der Mensch soll in sich wachsen, mit der Natur und dem Kosmos. Irdische und kosmische Einflüsse wirken beim Pflanzenwachstum zusammen. Es geht um die Vielfalt an Leben und man baut eine Brücke vom Mineralischen ( Gestein) über das Pflanzliche und Tierische zum Menschen und weiter zum Göttlichen." Eine Landwirtschaft mit Zukunft und Leben.

Heiliger Berg

Nach so viel Theorie haben wir uns einen Schluck guten Rotwein verdient. Mit Attributen wie "göttlich" sollte man ja sparsam umgehen, aber der Ried Hallebühl 2004 ist schon nahe dran. Der Hallebühl ist die höchste Erhebung östlich des Neusiedlersees. Bereits die Kelten besuchten diesen Kreuzungspunkt von Erdstrahlen und bezeichneten ihn als heilig. Die Kieselsteine des Bodens sind rötlich, eisenhältig und sehr mineralisch.

Der nächste Kultwein

Der Ried Hallebühl 2004 ist ein Kind eines Jahrgangs mit hoher Reife, lebendiger Frucht und tiefem Aroma. Schon die Farbe zeugt von enormer Dichte: Tiefes Rot, schwarz im Kern. Das Aroma erinnert an einen hochwertigen Barolo. Feine Röstaromen, Mokka, Kirschkonfit, Heidelbeeren. Am Gaumen vielschichtig und mit viel Raffinesse: Saftig, schöner Fruchtbiss, feine Tanninstruktur, markante Würze, Tabak. Höchste Handwerkskunst eines qualitätsbesessenen Winzers. Trinken Sie ihn andächtig!

Unsinn DAC

Aber Umathum ist nicht immer geduldig und konfliktscheu wie ein buddhistischer Mönch. Wenn ihn etwas ärgert, dann findet er auch klare Worte. Wie zum Beispiel, wenn Winzerkollegen Biodynamie als Marketinginstrument verstehen. Oder wenn es um das Thema DAC geht: "Dieses Konzept auf ganz Österreich aufzustülpen, halte ich für einen der größten Fehler … anstatt 17 Weinbaugebieten werden wir dann 50 DAC haben und der Konsument ist damit absolut überfordert. Das was Frankreich versucht abzuschaffen, führen wir ein. Ich verstehe nicht, wie die Verantwortlichen solchen Unsinn durchsetzen wollen. In Wahrheit braucht es in Österreich nur 4 Weinzonen. … Wir wissen heute, dass der Winzer und sein Tun die Stilistik eines Weines genauso prägen, wie der Boden und das Klima und was soll dann diese Gleichmacherei eines DAC? … das ist absoluter Unsinn."

Wie wird der Jahrgang 2008?

Für Umathum war es ein sehr anspruchsvolles Jahr, letztlich aber doch mit "sehr lebendigen, guten Weinen". Bis Mitte August sah es gar nicht gut aus. Hagel und Pilzinfektionen haben 20 % der Ernte gekostet. Aber die warmen föhnigen Winde im Spätsommer, der bis Mitte September andauerte, haben alles gerettet. Für Umstellungsbetriebe (auf bio-dynamisch) war es extrem schwierig und man brauchte viel Mut, Erfahrung und vor allem gute Mitarbeiter mit dem Willen diese Produktionsweise durchzuziehen. "Schon der kleinste Fehler hatte fatale Auswirkungen und es gibt einige Kollegen, die einen Großteil ihrer Ernte in diesem Jahr verloren haben. Das ist auch der Grund, warum in den nächsten Jahren sicher nur ganz wenige Weinbauern in die Bio Produktion einsteigen werden und warum dieses Jahr einige wieder damit aufgehört haben. … Bio Weinbau geht nicht auf allen Lagen und nicht mit allen Rebsorten."

Erstellt am 05.12.2011