Info-Abend lief aus dem Ruder

Über Schiefergas wollte die OMV die Bevölkerung in Poysdorf informieren. Das Vorhaben wurde von Aktivisten vereitelt.

Und da waren sie alle, die in den vergangenen Jahrzehnten gegen die Weinviertelautobahn A 5,  gegen die Müllverbrennungsanlage der ASA in Zistersdorf, gegen den Bau eines Einkaufszentrums in Mistelbach und vieles mehr demonstriert hatten. Alle waren sie in das rund 60 Kilometer vom tschechischen Atomkraftwerk Dukovany entfernte Poysdorf gekommen. Dort hatte die Stadt ihre Bevölkerung zu einem Info-Abend über das OMV-Projekt "Schiefergas" eingeladen.

Wie mehrfach berichtet, will die OMV ein Schiefergasfeld östlich der Weinstadt erschließen. Mit einer neuen, bis dato allerdings unerprobten "sauberen" Technik, bei der, anstatt wie seinerzeit in den USA, statt hohem Einsatz von Chemikalien, lediglich Wasser, Quarzsand und Maisstärke verwendet werden soll.

OMV-Geschäftsführer Christopher Veit sowie OMV-Tief-Gas-Abteilungsleiter Hermann Spörker standen für alle Fragen bereit. Allein eine Vielzahl der Aktivisten nutzte die Gelegenheit zur Abgabe von Stellungnahmen und warum sie gegen den Schiefergasabbau seien, der Österreichs Inlandsversorgung mit Erdgas angeblich auf 30 Jahre hinaus sichern könnte.

Gerüchte

Hatte der Moderator des Abends einmal sein Mikrofon aus der Hand gegeben, schon erzählte jemand, was er denn für schreckliche Dinge im Internet über den Schiefergasabbau gefunden habe und dass sich die OMV besser um die Weiterentwicklung alternativer Energiequellen kümmern solle. "Echte" Poysdorfer bekamen somit kaum noch Gelegenheit, ihr Ängste und Bedenken an die Experten der OMV heranzutragen.

Vertreter von Weinbauvereinen und anderer Berufsverbände fragten deshalb bei den OMV-Managern an, ob sie bereit wären, in geschlossener Gesellschaft für Fragen über den Schiefergasabbau zur Verfügung zu stehen, was diese auch zusagten.

Auch ein Arzt hatte sich an dem Abend zu Wort gemeldet und angeregt, ob man nicht allen Weinviertlern Blut abnehmen könnte, weil man damit vielleicht nachweisen könnte, dass die seit nunmehr 60 Jahren stattfindende Erdgasförderung der OMV auch schon zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Bevölkerung geführt habe.

( Kurier ) Erstellt am 24.01.2012