Chronik | Niederösterreich
24.05.2017

Immobilien-Deal der Stadt entpuppt sich als Millionen-Desaster

Desolate Gemeindewohnungen und 110 Millionen Euro Schulden in Wiener Neustadt. Acht desolate Häuser müssen notverkauft werden.

Schimmel an den Wänden, keine funktionierende Heizung, Ungeziefer und herabstürzende Fassadenteile: In einem derart desaströsen Zustand präsentiert sich ein Teil der Wiener Neustädter Gemeindewohnungen. Die im Jahr 2007 von der damaligen SPÖ-Regierung durchgeführte Auslagerung des "Familiensilbers der Gemeinde" entpuppt sich zehn Jahre später als finanzielles Desaster. Der Schuldenberg für die 2300 Gemeindewohnungen beträgt aktuell 110 Millionen Euro. Weil zu wenig Geld in notwendige Sanierungen gesteckt wurde, müssen nun acht völlig desolate Häuser verkauft werden. Die Bewohner von 55 Wohnungen werden umquartiert oder müssen einer Sanierung durch die neuen Eigentümer zustimmen.

Was von den damaligen Politikern als großer Coup gefeiert wurde, ist in der Nachbetrachtung eher als gescheiterter Finanztrick zu werten. Die 2300 Gemeindewohnungen wurden 2007 für 81 Millionen Euro an die gemeindeeigene Firma IFP verkauft. Mit dem Effekt, dass die Gemeinde am Papier 81 Millionen Euro reicher war, aber die IFP dieselbe Summe an Schulden hatte. "2012 haben unsere Amtsvorgänger dann noch mit SWAP- und Derivatgeschäften spekuliert, die einen jährlichen Zinsschaden von weiteren 200.000 Euro verursacht haben", erklärt FPÖ-Wohnungsstadtrat Michael Schnedlitz.

Nachdem die neue Stadtregierung im Mai 2016 die Reißleine zog und mit Gerald Oswald einen Finanzexperten als neuen IFP-Chef einsetzte, kam die ganze Tragweite des Immobilen-Deals erst langsam ans Tageslicht.

Endfällige Kredite

"Der seinerzeitige Kaufpreis wurde viel zu hoch angesetzt. Es gibt einen Reparatur-Rückstau in Millionenhöhe und keinen Plan, wie die enormen Rückzahlungen überhaupt zu tätigen sind. Die Millionenkredite sind 2021 auszubezahlen", erklärt Oswald.

Seit Monaten laufen diesbezüglich intensive Verhandlungen mit den Banken, es wurden auch schon Vergleiche bezüglich der Derivatgeschäfte geschlossen, so Oswald. Dennoch muss die IFP zu drastischen Maßnahmen greifen und die acht desolaten Objekte zu Geld machen.

"Mit dem Erlös bringen wir 150 Gemeindewohnungen auf den neuesten Stand. Ich schäme mich für die Politik, unter welchen Umständen Menschen hier hausen mussten", so Schnedlitz. Wenn man das Ruder nicht herumreiße, würden alle 2300 Gemeindewohnungen in vier Jahren den Banken gehören.