„Ich muss was für die Kinder tun“

Mistelbach: Die Mutter von Zwillingen, die bei einem mysteriösen Unfall ihren Vater verloren haben, klagt jetzt die Republik.

Es war Donnerstag, der 7. Oktober 2010. Um 6.15 Uhr bricht ein Streifenwagen der Autobahnpolizei Großkrut im Bezirk Mistelbach auf der A 5 (Weinviertel Autobahn, Anm.) die Verfolgung eines verdächtigen Pkw mit polnischem Kennzeichen ab. Denn die beiden Polizisten hatten den flüchtenden Wagen aus den Augen verloren. Die Polizisten fahren bei Schrick im Bezirk Mistelbach auf die B 46 ab und biegen dort in einen Feldweg ein, um umzukehren. Sekunden danach wollen die beiden Beamten einen dumpfen Knall gehört und im Rückspiegel etwas über die Böschung fliegen gesehen haben. Tatsächlich ist ein Motorradfahrer zu Sturz gekommen. Aus seinem Sturzhelm fließt eine Menge Blut. Er soll sofort tot gewesen sein.

Eine Berührung mit dem Streifenwagen hat es offenbar keine gegeben. Warum der Motorradfahrer zu Sturz kam, ist bis heute völlig unklar und soll jetzt in einem Gerichtsprozess geklärt werden. Angestrengt hat das Verfahren gegen die Republik Österreich Doris Blösel, die Lebensgefährtin des Unfallopfers Siegfried Pfalzer.

Der war erst im April 2010 stolzer Vater von Zwillingen, einem Mädchen und einem Buben, geworden. In Frättingsdorf hatte sich die junge Familie ein Einfamilienhaus gebaut. Pfalzer war im Wiener AKH als Anästhesie-Pfleger tätig und an jenem Oktobermorgen mit dem Motorrad auf dem Weg zur Arbeit.

„Kein Kontakt“

„Bis heute hat kein Angehöriger der Polizei mit mir Kontakt aufgenommen. Wenn bei dem Unfall alles mit rechten Dingen zugegangen ist, warum meidet mich dann die Polizei?“, fragt sich Doris Blösel.

Der heute 45-jährige Autobahnpolizist und seine mittlerweile 42-jährige Kollegin hatten unmittelbar nach dem Unfall angegeben, dass sie beim erneuten Auffahren auf die B 46 sehr wohl auf den Querverkehr geachtet hätten.

Blösel musste all ihren Mut zusammennehmen, um den Prozess anzustrengen. Sie tut es für ihre Zwillinge : „Ich sehe Lea und Lukas täglich in die Augen. Ich muss was für die Kinder tun.“

Auch der ORF hat sich der Causa angenommen; ORF 2 berichtet am 20. Jänner in „Ein Fall für Resetarits“.

( Kurier ) Erstellt am 10.01.2012