Chronik | Niederösterreich
23.04.2012

„Ich bin lieber bei den Bürgern“

Eine Bilanz des St. Pöltner Vizebürgermeisters Matthias Adl.

Matthias Adl, 45, zieht Bilanz über sein erstes Jahr als ÖVP-Vizebürgermeister St. Pöltens. Über Erfolg, Niederlage und Versäumnisse.

KURIER: Angetreten sind Sie mit dem Angebot der ausgestreckten Hand an die SPÖ. Was wurde daraus?Matthias Adl: Der Beginn war sehr vielversprechend, man hat uns auch den Kontrollausschuss-Obmann überlassen. Ab der Budgetdiskussion im Dezember war aber merkliche Abkühlung von seiten des Bürgermeisters zu spüren. Infos laufen spärlich, die Medien werden früher informiert.

Scharfzüngige Kritiker erkundigen sich, ob Sie verstorben seien, weil man Sie medial kaum wahrnimmt. Ich mache diese Schreierei-Geschichten a la FPÖ nicht mit. Ich bin lieber bei den Bürgern, toure von einer Veranstaltung zur anderen. Das ist direkte Demokratie und da hat der Bürgermeister Jahre Vorsprung. Große Themen beschäftigen St. Pölten nicht, Wahlkampf haben wir keinen und daher muss auch kein Gigantenduell stattfinden. Kurz bilanziert: Wo hat der Herr Adl gepunktet, was ist ihm nicht gelungen? Unser Erfolg war sicher, dass es uns gelungen ist, den Domplatz nicht autofrei zu machen. Da hat sich der Bürgermeister bewegt. Als Misserfolg würde ich werten, dass er unsere Forderung, die Kopalkaserne zu kaufen, abgeschmettert hat. Damit hat St. Pölten gestalterische Möglichkeiten aus der Hand gegeben. Thema Kaserne: Diese und das Glanzstoff-Areal sind die großen Zukunftsflächen der Stadt. Ihre Ideen? Im Glanzstoff-Viertel schwebt mir eine Art Technologiezentrum samt Campus vor. Und Bildungseinrichtungen, wie etwa eine pädagogische Uni, wo man die Hochschul-Standorte Baden und Krems an einem zentralen Standort zusammenziehen könnte, wo eine Uni gefragt ist. Die Kaserne wird sich nicht mir nichts, dir nichts entwickeln lassen. Natürlich wäre sie ideal für eine EKZ-Nutzung oder ein Outlet-Zentrum. Aber da steht die Kernzonen-Verordnung dagegen und da wird es keine Lex St. Pölten geben. Ein Einkaufsmagnet vor den Toren Wiens mit Ausstrahlung bis zur oberösterreichischen Grenze – ein Traum! Aber da sind Versäumnisse der Vergangenheit passiert, wo man kleinkariert gedacht hat. Was halten Sie St. Pölten als größtes Versäumnis vor? Dass man nicht zugegriffen hat, als die Stadtregionalbahn bei der Hauptstadtwerdung in Diskussion war. Da sind die Schildbürger aufmarschiert, um zu beweisen, was nicht geht. Das Lup-Bussystem ist gut und wichtig, aber auch Busse bewegen sich auf verstopften Straßen. Wir haben eine Nord-Süd-Schiene durch St. Pölten, doch die ist innerstädtisch völlig ungenutzt.