Einbruch

© dpa/Ossinger

Niederösterreich
06/30/2016

Home Invasion in NÖ: Fünf Verdächtige in Haft

Betagtes Ehepaar wurde Ende Februar überfallen und verletzt. Nach einem Mann wird weiterhin gefahndet.

Nach einer Home-Invasion in Edlitz (Bezirk Neunkirchen) von Ende Februar haben niederösterreichische Kriminalisten sechs Verdächtige ausgeforscht. Fünf der Männer sind nach Angaben vom Donnerstag in Wiener Neustadt in Haft. Ein betagtes Ehepaar war vor vier Monaten in seinem Haus überfallen und verletzt worden (Details zur neuen Verbrechensform "Home Invasion" finden Sie im unteren Abschnitt).

Bei den Beschuldigten handelt es sich der Landespolizeidirektion NÖ zufolge um sechs rumänische Staatsbürger im Alter von 26, 33, 34, 37, 42 und 44 Jahren. Sie sollen sich im Jänner in ihrer Heimat verabredet haben, den Raubüberfall auf das Ehepaar (84 und 87) zu begehen.

Zuvor hatten zwei der Männer und weitere Komplizen die Lage als Gartenhelfer und Fassadenarbeiter in Tatortnähe ausgekundschaftet.

Betagtes Ehepaar zu Boden gestoßen

Am späten Nachmittag des 25. Februar 2016 drangen zwei der Beschuldigten in das unversperrte Einfamilienhaus in Edlitz ein. Ein Täter stieß die 84-Jährige ebenso zu Boden wie den zu Hilfe eilenden 87-jährigen Mann, der dabei eine Fraktur des rechten Ellbogens erlitt. Der Frau wurde durch Schläge mit mitgebrachten Handschellen eine stark blutende Rissquetschwunde am Handgelenk zugefügt. Danach wurden beide Opfer am Boden liegend aneinander gefesselt, ehe das Duo das Objekt durchsuchte.

Die Täter entkamen mit einem geringen Bargeldbetrag und mehreren Sparbüchern sowie persönlichen Dokumenten des Ehepaares. Die Opfer wurden in das Landesklinikum Neunkirchen eingeliefert. Sie waren außerdem schwer geschockt und müssen nach Polizeiangaben nach wie vor psychologisch betreut werden.

Vertrauter des Paares als Informant

Den Ermittlungen zufolge waren der 42- und der 44-Jährige die unmittelbaren Täter bei der Home-Invasion. Der im Bezirk Neunkirchen wohnhafte 26-Jährige war demnach als Vertrauter des Ehepaares - der Mann hatte ihm vor Jahren als pensionierter Lehrer Deutschunterricht und finanzielle Zuwendungen gegeben - als Organisator und Informant tätig. Die drei weiteren Verdächtigen sicherten das Haus während des Überfalles im Außenbereich ab.

Die fünf festgenommenen Beschuldigten waren nach Polizeiangaben großteils geständig. Nach einem Mann wird weiterhin gefahndet.

"Home Invasion": Der Feind im eigenen Schlafzimmer

Für die Psyche der Opfer ist es extrem traumatisierend. Die meist sehr brutalen Täter dringen in die intimste Privatsphäre ein und stehen mitten in der Nacht schwer bewaffnet im Schlafzimmer. "Home Invasion" nennt sich diese besonders skrupellose Verbrechensform, die bei Kriminellen derzeit hoch im Kurs steht.

In Niederösterreich ist die Zahl dieser speziellen Überfälle von einem Jahr auf das andere regelrecht explodiert. 2014 waren es gerade einmal zwei Home-Invasions, 2015 bereits elf. Und auch in Wien, das bis dato verschont geblieben ist, scheint dieses Verbrechen nun Schule zu machen. Nach gleich zwei Überfällen auf wohlhabende Ärzte-Ehepaare in Döbling ist die Exekutive seit dieser Woche in Alarmbereitschaft. Die Nobelbezirke werden bereits verstärkt überwacht.

Frosch-Bande

Was es bedeutet, wenn um zwei Uhr nachts mehrere maskierte Männer im Schlafzimmer stehen und wie wild auf einen losprügeln, mussten Bettina und Friedrich Mank am eigenen Leib verspüren. Das Ehepaar wurde vergangenen Juni in seiner Villa in Alland (NÖ) von der berüchtigten "Frosch-Bande" heimgesucht. Die Rumänen sind für mindestens sieben Überfälle in Österreich, der Schweiz und Deutschland verantwortlich. "Die Opfer wurden teilweise auch vergewaltigt. Bei einem Überfall in Bayern im September töteten sie einen 72-jährigen Mann", erklärt Chefinspektor Josef Deutsch vom nö. Landeskriminalamt. Die mittlerweile elf Täter warten in der Justizanstalt Wiener Neustadt auf ihren Prozess.

"Obwohl der Überfall fast ein Jahr her ist, ist an ein normales Leben nicht mehr zu denken", sagt Bettina Mank. Sie quälen Schlafstörungen und Angstzustände, das Paar schließt sich nachts im Schlafzimmer ein und verbarrikadiert die Türen. Friedrich Mank wurde von den Räubern übel zugerichtet. Er erlitt eine Gehirnerschütterung, außerdem zertrümmerten die Männer ihm den Kiefer. "Sie zwangen uns, den Tresor aufzusperren. Dann haben sie mich in die anderen Räume gezerrt, weil sie noch mehr wollten", sagt Friedrich Mank (72). Die Männer ließen ihre Opfer gefesselt zurück.

Drei Wochen später blickte Martha Postl (69) in ihrem Bett in den grellen Lichtschein einer Taschenlampe. Die "Frosch-Bande" hatte die Pensionistin im Schlaf in ihrem Haus in Puchberg am Schneeberg überrascht. Vergessen kann sie das traumatische Ereignis nicht. Ihre linke Gesichtshälfte ist von den wuchtigen Schlägen immer noch taub. "Ich habe jetzt die Fenster vergittert und einen Hund. Aber die Angst ist immer noch da. Das wird auch nicht mehr", erzählt Postl.

Tipps

Hundertprozentigen Schutz gibt es keinen, allerdings hat die Polizei wichtige Tipps. Generell werden Häuser ohne Alarmanlage von Kriminellen öfter heimgesucht als jene mit. "Beim Zusammentreffen mit Tätern im Haus oder der Wohnung ist es wichtig, zu kooperieren und keine Gegenwehr zu leisten. Auf ein aggressives Entgegentreten reagieren Kriminelle meist mit noch größerer Brutalität", erklärt Deutsch. Gerade bei Home-Invasion werden meist ältere Menschen als Opfer ausgewählt, weil von ihnen kaum Gegenwehr zu erwarten ist.

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