Chronik | Niederösterreich
16.03.2016

Hitlergruß und Hakenkreuztorte

Sechs Männer standen in Krems wegen Wiederbetätigung vor Gericht.

Sie feierten Hitlers Geburtstag mit Gewalt-verherrlichenden Naziliedern, großen Mengen Alkohol und einer Torte, die mit einem Hakenkreuz geschmückt war. Empfingen einander bei Treffen meist im Raum Krems mit "Deutschem Gruß", trugen T-Shirts mit rechtsextremen Aufdrucken, posteten rassistische Inhalte im Internet. Daheim bewahrten einige Hitlerbilder und -büsten , sowie Hakenkreuzfahnen auf. Sechs Männer im Alter von 24 bis 39 Jahren standen am Mittwoch in Krems wegen Wiederbetätigung vor einem Geschworenengericht und gaben beinahe alles zu, was ihnen die Anklage vorwarf.

"Glaube nicht, dass ich das nüchtern gemacht hätte"

Interessant waren die Rechtfertigungen der Männer, von denen einige wegen einschlägiger Delikte bereits vor Gericht gestanden, aber zum Teil mit gemeinnütziger Arbeit davon gekommen waren. Alkoholkonsum und "Gruppenzwang" seien die Ursachen gewesen, erklärten sie: "Ich bin wieder rein gerutscht." "Ich hab mir nichts gedacht dabei." "Ich war in St. Pölten fremd und habe Kontakte gesucht." "Ich interessiere mich eigentlich nur für Kriegsgeschichte und die guten Taktiken, die es im Zweiten Weltkrieg gab. Nicht kriegsverbrecherisch." "Ich hatte einen Filmriss. Ich glaube nicht, dass ich das nüchtern gemacht hätte."

Die Beteuerungen, sich vom rechtsradikalen Gedankengut losgesagt zu haben, erschienen dem Staatsanwalt zumindest bei den Hauptangeklagten nicht glaubwürdig. "Bei ihm hatte eine Erstverurteilung vor Gericht nicht einmal so viel Wirkung, dass er sein Nazi-T-Shirt wegwirft", sagte Staatsanwalt Franz Hütter über einen der Angeklagten.

Fünf Schuldsprüche, eine Diversion

Am Abend fielen dann fünf Schuldsprüche: Der Erstangeklagte – ein 35-Jähriger, der seit mindestens zehn Jahre in der extremen rechten Szene aktiv gewesen sein soll – fasste eine Haftstrafe von 22 Monaten aus, davon 15 bedingt (noch nicht rechtskräftig). Die übrigen Angeklagten erhielten teils bedingte Haftstrafen zwischen fünf und 18 Monaten. Der jüngste Angeklagte, ein 24-Jähriger, kam mit einer Diversion davon.