Chronik | Niederösterreich
17.01.2018

Heimskandal: Mordkomplott gegen Geschäftsführer

Ehemaliger Insasse wollte mit Messer in das Haus von Heimleiter. Staatsanwalt ermittelt wegen verbrecherischen Komplotts.

Seit Wochen ermittelt eine Sonderkommission im Fall angeblicher Missstände in einer Jugendeinrichtung der "Therapeutischen Gemeinschaft (TG)" in Niederösterreich. In der Nacht auf Mittwoch ist es in der Causa zu einem dramatischen Zwischenfall gekommen. Ein ehemaliger Insasse der Therapieeinrichtung, der die Vorwürfe ins Rollen gebracht hat, soll zusammen mit zwei Komplizen versucht haben den Geschäftsführer des Jugendheims auszurauben und eventuell zu töten. "Es laufen Ermittlungen wegen des Verdachts eines verbrecherischen Komplotts und Mordversuchs. Es dürfte den Plan gegeben haben, eine bestimmte Person zu überfallen, dessen Auto zu rauben und eventuell auch diese Person zu töten", bestätigt der Sprecher der Staatsanwalt Wiener Neustadt, Erich Habitzl im Gespräch mit dem KURIER. Die Ermittlungen seien aber noch im Anfangsstadium.

Um Haus geschlichen

Andreas D. wurde in der Nacht auf Mittwoch in der Nähe des Anwesens der TG in Ebenfurth im Bezirk Wiener Neustadt von Polizeikräften überwältigt und festgenommen. Er hatte ein 35 Zentimeter langes Messer bei sich.

Weil seine Komplizen kalte Füße bekamen, hatten sie den Gründer und Geschäftsführer der Therapeutischen Gemeinschaft vor einer möglichen Bluttat gewarnt. Hermann Radler verbarrikadierte sich darauf hin im Haus. Radler ist geschockt: "Er ist mit einem riesigen Messer ums Haus geschlichen. Wir haben danach sofort die Polizei gerufen. Zum Glück waren sie rechtzeitig da und es wurde niemand verletzt", schildert er im Interview.

Seit Anfang Dezember steht die Therapeutische Gemeinschaft im Kreuzfeuer der Kritik. Damals hatte sich Andreas D. zusammen mit zwei anderen ehemaligen Insassen und zwei entlassenen Mitarbeitern an Medien gewandt und Vorwürfe erhoben, wonach junge Schützlinge misshandelt und erniedrigt worden sein sollen. Der zuständige Landesrat, Franz Schnabl (SPÖ) richtete daraufhin eine Sonderkommission ein, die seither ermittelt.