Chronik | Niederösterreich
17.03.2018

Hausapotheke geschlossen: Zustellservice für Medikamente fehlt nun Räumlichkeiten

Öffentliche Apotheken könnten Versorgung übernehmen. Gemeinde soll dafür Platz zur Verfügung stellen.

Nach der unfreiwilligen Schließung der Hausapotheke in Schwadorf, Bezirk Bruck/Leitha, tun sich Gräben zwischen Apothekern und Gemeinde auf. Denn nun soll die Gemeinde Räumlichkeiten für die Abgabe von Medikamenten zur Verfügung stellen. Ortschef Jürgen Maschl (SPÖ) spricht von einer Farce.

Wie berichtet, musste Hausärztin Claudia Ertl nach einem Urteil des Landesverwaltungsgerichts die Abgabe von Medikamenten einstellen. Grund ist eine alte Rechtsgrundlage, die zur Anwendung kommen musste, da in 2,8 Kilometer Entfernung eine öffentliche Apotheke eröffnet wurde. Der Ortschef, Ertl und ihre älteren Patienten befürchten nun eine Verschlechterung der Versorgung.

Die sieht die Apothekerkammer aber nicht drohen. Im Gegenteil: In den Orten, in denen die Versorgung von den Apotheken übernommen wurde, hätten Patienten erklärt, dass sich diese sogar verbessert habe, argumentiert Peter Gonda, Präsident der Apothekerkammer NÖ. "Hausapotheken sind Notapparate." Sie hätten nur fünf bis zehn Prozent der Präparate einer durchschnittlichen Apotheke auf Lager.

Genehmigung erteilt

Nichtsdestotrotz sind die umliegenden Apotheken offenbar doch so schlecht zu erreichen, dass zwei die Bewilligung für einen Zustellservice von dringend benötigten Medikamenten erteilt wurde. "Meistens stellen die Gemeinden Räumlichkeiten zur Verfügung, wo die Medikamente zu bestimmten Zeiten von Apothekenmitarbeitern abgegeben werden", erklärt Gonda. Notfalls werden die Arzneien ans Bett geliefert. Man stehe Gewehr bei Fuß, sobald es Räumlichkeiten gebe. Dass es damit auch einen Mehr-Umsatz für die betreffenden Apotheken gebe, räumt Gonda ein.

Ein gutes Service, doch der Treppenwitz: Das Gemeindeamt befindet sich 50 Meter von der Hausärztin entfernt, die nun leer stehende Räume hat. Maschl ist erbost. "Es sind schon die Apotheken in der Pflicht, Räume anzumieten. Das sehe ich nicht als Aufgabe der Gemeinde. Wir sind keine Ausgabestelle von Pulverln." Man könne nicht die Verantwortung auf die Kommune abzuwälzen, nachdem man gezwungen worden sei, die Hausapotheke zu schließen. Es gehe auch um Datenschutz, wenn Medikamente für Patienten einfach im Amt deponiert werden. Wie es schon passiert sein soll. Rasche Lösung ist nicht in Sicht.