Die Verletzungen nach dem zweiten Überfall auf Robert T.

© /Sascha Trimmel

Ermittlungen
05/18/2016

Hakenkreuz-Opfer wehrt sich gegen Vorwürfe

Der Anwalt nimmt im Gespräch mit dem KURIER zum polizeilichen Ermittlungsergebnis Stellung.

von Patrick Wammerl

Einen vergleichbaren Fall sucht man in der österreichischen Kriminalgeschichte vergeblich. Nach dem Vorbild des Hollywood-Streifens "Inglourious Basterds" fallen unbekannte Täter gleich zwei Mal über einen Mann her, ritzen ihm mit Rasierklingen Hakenkreuze in Stirn und Oberkörper und misshandeln ihn schwer. Der Fall aus Bad Fischau im Bezirk Wiener Neustadt mutet so außergewöhnlich an, dass Mordermittler des Landeskriminalamtes eingeschalten wurden um ihn zu klären. Sie schenken dem mutmaßlichen Opfer Robert T. (52) jedoch keinen Glauben und zeigten ihn wegen Vortäuschung einer Straftat bei der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt an.

"Es gibt keinen einzigen Beweis, dass mein Mandant den Überfall erfunden hat. Nur weil bis dato kein Täter gefunden wurde, kann man nicht davon ausgehen, dass die Sache inszeniert ist", sagt Robert T.s Anwalt, Christoph L. Der Jurist gibt dem KURIER Einblick in den polizeilichen Endbericht. Der 52-Jährige soll im Februar am Weg in die Morgenschicht in einen Hinterhalt geraten sein. Ein grüner VW Golf soll mit Warnblinkanlage auf der Straße gestanden sein. Als T. ausstieg um zu helfen, soll er von hinten niedergeschlagen und verschleppt worden sein, soweit seine Angaben. Durch verstärkte Verkehrskontrollen forschte die Polizei zwei Zeugen aus, die am besagten Tag etwa um die selbe Uhrzeit dort unterwegs waren. Sie hatten nichts Verdächtiges bemerkt.

Telefonate

Die Mordermittler führten für den Tatzeitraum außerdem eine Funkzellen-Auswertung durch. Mit dem Ergebnis, dass in dem Gebiet niemand mit einem Handy telefonierte. "Was hat das schon zu bedeuten. Die Täter können per SMS oder Whats-App kommuniziert haben", meint der Anwalt des Beschuldigten.

Da die vermeintlichen Täter auch das Fahrzeug ihres Opfers weggebracht haben sollen, wurde der SUV von Tatort-Spezialisten auseinander genommen. Es fand sich darin jedoch nur die DNA von Robert T. selbst. "Auch das ist kein Beweis. Es wurde nicht einmal die DNA seiner Frau gefunden", so der Anwalt.

Als Motiv vermutet die Polizei, dass der 52-Jährige den Überfall erfunden hat um den Verdacht auf seine Nachbarn zu lenken. Mit ihnen gibt es einen jahrelangen Streit. Dass T. nach dem Überfall zwar den Medien Interviews gab, aber erst Tage später zur Einvernahme bereit war, wertet die Polizei ebenfalls als Indiz für eine Inszenierung. "Er wollte nach dem Spital Ruhe. Die Medien sind aber plötzlich vor seiner Türe gestanden", sagt der Anwalt.

Ein Gerichtspsychiater soll nun Robert T.s Geisteszustand beurteilen. Danach liegt es am Staatsanwalt. Nach dem ersten Überfall hatte dieser noch den Schwiegersohn des Nachbarn als Verdächtigen angeklagt. Er wurde nach drei Monaten U-Haft freigesprochen.

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