Schnitte am Kopf, aber keine Wunde vom Schlag auf den Hinterkopf

© /Sascha Trimmel

Niederösterreich
03/03/2016

Hakenkreuz-Attacke: Opfer wird zum Beschuldigten

Polizei zweifelt an den Angaben des Mannes. Nun wird ein Gutachter hinzugezogen.

von Patrick Wammerl

Vom Opfer zum Beschuldigten: Im Fall der beiden Hakenkreuz-Attentate auf einen 52-Jährigen aus dem Bezirk Wiener Neustadt gibt es eine überraschende Wende. Für die Mordermittler des Landeskriminalamtes sind die Aussagen des vermeintliches Opfers kaum nachzuvollziehen. Robert T. wird daher seit dieser Woche im Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt auch als Beschuldigter geführt – und zwar wegen des Verdachts der Vortäuschung einer Straftat.

Der KURIER hat nach der überraschenden Entwicklung mit dem Betroffenen gesprochen. Robert T. hat das Vertrauen in die Polizei, die Justiz und den Rechtsstaat verloren. "Ganz ehrlich? Ich bin erschüttert. Was muss noch alles geschehen, bis der Schuldige gefasst wird?", ist der 52-Jährige fassungslos.

Es war im vergangenen September, als er das erste Mal schwer verletzt nach Hause kam. Drei unbekannte Männer sollen ihn zusammengeschlagen und ihm ein Hakenkreuz in die Stirn geritzt haben. T. vermutete eine jahrelang andauernde Nachbarschaftsfehde als Motiv. Der 33-jährige Schwiegersohn des Nachbarn saß als verdächtiger Auftraggeber drei Monate in U-Haft. Im Prozess wurde er aus Mangel an Beweisen (nicht rechtskräftig) freigesprochen.

Gefesselt

Am Morgen des 18. Februar fand ein Lkw-Fahrer Robert T. erneut schwer verletzt, durchnässt und mit am Rücken gefesselten Händen auf einem Feldweg. Seine Version der Geschichte: Unbekannte hätten einen Verkehrsunfall mit einem grünen VW Golf mit Gänserndorfer Kennzeichen auf seinem Weg in die Frühschicht gegen 3.30 Uhr vorgetäuscht. Als er ausgestiegen sei, um zu helfen, sei er niedergeschlagen worden. Etwa zwei Stunden später sei er gefesselt in einem eiskalten Bach mit Schnittwunden am ganzen Körper aufgewacht, in die Brust hatte er ein Hakenkreuz geritzt.

Die Ermittler zweifeln an T.s Aussagen. Für einen derart heftigen Schlag auf den Hinterkopf, der eine so lange Bewusstlosigkeit auslöse, fehle die passende Verletzung. Außerdem hätten die Überprüfungen bisher keinen Hinweis auf das grüne Fahrzeug der mutmaßlichen Täter ergeben.

"Wir ermitteln in alle Richtungen", bestätigt Staatsanwalt Erich Habitzl. Ein Gutachter soll nun klären, ob sich Robert T. die Verletzungen selbst zugefügt haben könnte. "Ich hatte nur noch eine Körpertemperatur von 31 Grad. Wie täuscht man das vor?", ist T. verzweifelt.

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