Der Mediziner Reinhard Resch hat seinen Arbeitsplatz im Landesklinikum Krems gegen das Bürgermeisterbüro im Kremser Rathaus getauscht – und fühlt sich mit der neuen Aufgabe sehr wohl

© KURIER/Jürgen Zahrl

Interview
02/23/2015

Gute Kontakte zum schwarzen Land

Der KURIER sprach zur Halbzeit mit Reinhard Resch, dem SPÖ-Bürgermeister von Krems.

von Gilbert Weisbier

Im Oktober 2012 wurde die SPÖ – durch kräftige Verluste der ÖVP – bei den Gemeinderatswahlen in Krems stärkste Fraktion. Sie stellt seither den Bürgermeister. Zur Halbzeit führte der KURIER ein Interview mit dem neuen Stadtchef, dem Mediziner Reinhard Resch.

KURIER: Wie gefällt Ihnen Ihr neuer Job bisher?

Reinhard Resch:Bürgermeister einer Stadt wie Krems sein zu dürfen, ist eine Ehre und eine großartige, erfüllende Aufgabe. Für mich persönlich sind die vielen Gespräche mit den Kremserinnen und Kremsern das Erfreulichste. Dafür nehme ich mir viel Zeit. Sie sind eine Art Korrektiv. Unersetzbar, um etwas zu reflektieren.

Schmeckt etwas daran gar nicht?

Es gibt fast nichts, was mir gar nicht schmeckt. Das ist beim Essen so, aber auch im übertragenen Sinn. Meine Arbeit ist vielfältig wie das Leben; manchmal wunderschön, oft sehr fordernd, aber nie ungenießbar.

Was ist neu an Ihrer Amtsführung?

Wir arbeiten über die Parteigrenzen hinaus gut zusammen. Nicht nur mit dem Koalitionspartner ÖVP, sondern mit allen. Das macht die Entscheidungen nicht immer einfacher, aber ich finde, dass es der Stadt und uns allen guttut, wenn Beschlüsse und Projekte gemeinsam getragen werden.

Was ist besonders gut gegangen, was hat gar nicht oder mangelhaft funktioniert?

Bürgerbeteiligung ist ein wichtiges Thema meiner Politik. Es hat echten Mehrwert, wenn eine breite Öffentlichkeit Ideen einbringt und mitgestaltet. Wie aktuell beim Stadtentwicklungskonzept "Krems 2030", mit dem wir gut vorankommen. Nicht gut ist es bei "Parken in Krems" gelaufen. Hier wurde in intensiver und fundierter Arbeit gemeinsam mit Bürgern und Experten ein Konzept ausgearbeitet, für das im Gemeinderat keine Mehrheit zu finden war. Die Bürgerumfrage brachte dann ein klares Ergebnis für das bestehende System.

Was würden Sie gleich, was ganz anders machen?

Zentraler Punkt ist für mich, die hohe Lebensqualität in Krems zu erhalten. Dazu braucht es Eckpfeiler. Wie bei jeder Familie sind dabei die Finanzen in Ordnung zu halten, um Freiraum für sinnvolle Investitionen zu gewinnen. Daran arbeiten wir intensiv, daran führt aber auch kein Weg vorbei. Im Kleinen gibt es natürlich auch Dinge, die ich rückblickend anders machen würde. Diese Erfahrungen bringen mich immer wieder einen großen Schritt weiter.

Was sind die Auswirkungen Ihrer "Politik der Transparenz": Motivierten Sie andere Fraktionen zu Mitarbeit oder sammeln sie eher Munition?

Es ist beides. Information ist für mich auch immer eine Form der Wertschätzung des anderen. Und wer mehr weiß, wird auch motivierter an die Sache herangehen. Ja, es gibt eine Kehrseite: Mit gelebter Offenheit wird man auch angreifbarer. Das ist aber in Wahrheit alles unerheblich. Entscheidend ist, was wir gemeinsam weiterbringen! Daran werden uns die Menschen messen.Wie geht es der nun roten Stadt mit dem schwarz dominierten Land?

Diese Frage höre ich oft. Und ich muss sagen, es geht uns sehr gut. Parteipolitik spielt in der Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land keine Rolle. Es gab für die Bildungs- und Kulturstadt Krems in jüngster Vergangenheit fast schon sensationelle Entscheidungen von Landesseite. Mit der Gründung der Karl Landsteiner Universität erhielt Krems die fünfte Hochschuleinrichtung, im März starten die Bauarbeiten für das neue Gebäude am Campus Krems. Das neue Kunstmuseum des Landes wird unsere Kunstmeile ab 2017 weiter aufwerten und weitere Touristen anziehen. Es gibt eine Regierungsklausur in der Stadt?

Am 23. und 24. März wird sie in Krems stattfinden. Die Wahl ist auch auf Krems gefallen, weil wir mit der entsprechenden Infrastruktur aufwarten können und als Welterbe-Stadt landschaftlich und bauhistorisch Besonderes zu bieten haben. Den Wein dürfen wir natürlich auch nicht vergessen. Krems ist einfach ein guter Boden für gute Ergebnisse.

Was sind noch große Vorhaben in dieser Periode?

Der Weiterbau des Hochwasserschutzes, Entwicklung des Wirtschaftsstandortes, Schaffung neuer Parkflächen in der Austraße, im Bereich von Schiffstation, Welterbezentrum Stein, bzw. Südtiroler-Platz, die Weiterentwicklung der Innenstadt. Große Impulse erwarten wir von der Baxter-Produktionsanlage, die voraussichtlich Ende 2016 fertigstellt wird und 100 neue Arbeitsplätze schaffen soll. Aber auch von der neuen Galerie NÖ in der Kunstmeile, für die der Architektenwettbewerb abgeschlossen ist. Und vom Ausbau des Campus Krems, wo in wenigen Wochen der Bau der Karl Landsteiner Privatuniversität begonnen wird.

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