Grüne bremsen Autobahn-Ring aus

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Gerade wurde der Umsetzungsplan der Marchfeldschnellstraße präsentiert. Jetzt kommt aus Wien ein Rückzieher.

Der beste Freund des Pendlers ist das Auto. 417.000 Menschen passieren so täglich die Wiener Stadtgrenze - und es könnten weit mehr werden. Eine Studie zeigt, dass dort, wo große Straßen Wien erreichen, die meisten Pendler einströmen. So fahren täglich auf der Südautobahn (A 2, Anm.) 169.500 Autos nach Wien, doppelt so viele wie aus dem gesamten Norden.

Kürzlich gaben Verkehrsministerin Doris Bures und Landeshauptmann Erwin Pröll den Startschuss zum Bau der S 8 Marchfeldschnellstraße. Sie beginnt kurz vor Wien und soll zur slowakischen Grenze führen. "Die S 8 ist ein wichtiger Faktor für die Region und eine Entlastungsstraße für Wien, da sie einen wichtigen Anschluss in die Slowakei bietet", erklärt ÖAMTC-Experte Willy Matzke: "2018 könnten wir fertig sein."

Widerstand

Die Rechnung haben Bures, Pröll und Matzke ohne die Wiener Stadtregierung gemacht - zumindest ohne den grünen Juniorpartner der SPÖ. "Wir sind gegen den Bau der S 8 und gegen den Bau der Lobauautobahn (S 1, Anm.) ", sagt der grüne Verkehrssprecher Rüdiger Maresch. "Mehr Straßen bedeutet mehr Verkehr. Das wollen wir verhindern."
Der grüne Vorstoß überrascht die SPÖ. "Will Maresch jetzt auch in NÖ Verkehrspolitik machen?", fragt der rote Verkehrssprecher Karlheinz Hora ironisch. "Maresch kennt seine Kompetenzgrenzen nicht."

Für NÖ bleibt die grüne Ablehnung zunächst ohne Konsequenzen: Die S 8 wird gänzlich auf nö. Gebiet errichtet, eine Wiener Mitsprache ist kaum möglich.

Anders sieht die Lage bei der S1-Verlängerung inklusive Lobautunnel aus, die den Autobahn-Ring im Osten Wiens schließen soll. Auch hier sind die Grünen gegen den Bau und
bekommen unerwartete Unterstützung. ÖAMTC-Experte Matzke: "Der Lobautunnel ist unsinnig, gefährlich und noch dazu unbezahlbar."

Im Wiener Koalitionspakt ist festgehalten, dass es nun eine Umweltverträglichkeitsprüfung bis 2016 geben soll. Doch für Matzke ist schon jetzt klar: Der 8,3 Kilometer lange Tunnel wird es nicht durch die Prüfung schaffen: "Im Falle eines Brands könnten Feuerwehr und Rettung nicht zufahren."

Auch im Süden Wiens sehen die Grünen Handlungsbedarf. "Vösendorf ist mit der SCS die reichste Gemeinde Österreichs", sagt Maresch. 19.000 Pendler fahren täglich aus Vösendorf in die Stadt. "Deshalb werden wir in einer möglichen zweiten Legislaturperiode über die Einführung der Citymaut diskutieren müssen", glaubt der Grün-Politiker.

(kurier / M. Gantner, M. Hofer, Elias Natmessnig) Erstellt am
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