Chronik | Niederösterreich
05.02.2018

"Gott sei Dank kein Oligarch" im Mostviertel

Herzstück des Mostviertels wechselte vergangene Woche für 90 Millionen Euro den Besitzer.

In 100-Euro-Scheinen wäre der Stapel 90 Meter hoch und etwa 900 Kilogramm schwer, den man für die 5400 Hektar Wald hinblättern hätte müssen. Es ist aber nicht irgendein Waldgebiet, das da am 1. Februar für 90 Millionen Euro seinen prominenten Besitzer gewechselt hat. Die Forstverwaltung Langau im Ötscherland bei Gaming (Niederösterreich) – zuletzt im Familienbesitz der Rothschild-Dynastie – gilt als eines der begehrtesten Jagd- und Naturreservate Österreichs. Mit den positiven Annehmlichkeiten eines Jagdschlosses, 15 Jagdhütten und Luxusimmobilien sowie zwei Kraftwerken.

Kein Wunder, dass sich in- und ausländische Investoren mit dem nötigen Kleingeld um die Ländereien gestritten haben. In der Region ist man nun heilfroh, dass mit der Holding des Papierindustriellen Thomas Prinzhorn letztlich ein "Hiesiger" und nicht etwa ein russischer Milliardär den Zuschlag für das grüne Paradies im Mostviertel erhalten hat.

Holzvorrat

Prinzhorns Interesse an dem Grundbesitz liege nicht so sehr in der jagdlichen Spielwiese, wird betont. Sondern in erster Linie an den 1,5 Millionen Festmeter Holzvorrat des Gebietes. "Als wirtschaftlich agierendes Unternehmen steht für uns klar die Investition in Grund und Forst im Vordergrund. Die Jagdwirtschaft hat nur einen sekundären Charakter. Es ist nicht geplant, in bestehende Pachtverträge einzugreifen. Die Jagden sind verpachtet, daran wird sich nichts ändern", versichert Cord Prinzhorn, Geschäftsführer der Forstverwaltung und Sohn von Thomas Prinzhorn.

Auch die zehn Mitarbeiter sowie die bestehenden Verträge von Vermietung und Verpachtung wurden bei dem Deal mitübernommen. Einer der ausschlaggebenden Punkte für den Zuschlag, sei das Generationen-Thema gewesen: "Die Familie Rothschild wollte jemanden, der die Ländereien auch im Familienbesitz weitergibt", erklärt Immobilienmakler Klaus Bischof, der den 90-Millionen-Euro-Deal abwickelte.

Aufatmen

Die Erleichterung in der Region ist jedenfalls offensichtlich: "Gott sei Dank kein Oligarch" – diese Meinung ist in der Ötscherland-Gemeinde Gaming oftmals zu hören, nachdem der Kauf des bedeutenden Rothschild-Reviers bekannt geworden war. Nicht nur bei der Gaminger Bürgermeisterin Renate Gruber (SPÖ) hat der nunmehr erfolgte Deal für ein Aufatmen gesorgt.

"Wir sind froh und dankbar, dass das Forstgut an eine österreichische Unternehmensgruppe verkauft wurde. Die Familie Rothschild hat darauf geachtet, dass es jemanden in die Hände fällt, die etwas für die Gegend übrig haben", sagt Gruber. Die Gemeinde selbst war in den Verkaufsprozess nicht eingebunden.

Die Angst vor ausländischen Investoren rührt daher, dass Gaming ein gebranntes Kind ist – seit im ebenfalls zum Gemeindegebiet gehörenden Skidorf Lackenhof etliche Hotels in ausländische Hände gefallen sind. Mehrere Betriebe wurden danach geschlossen. Die fehlende Bettenkapazität ist äußerst schmerzlich.

Tauziehen

Dem Verkauf der Ländereien war ein heftiger Bieter-Wettstreit vorausgegangen. Die Zillertaler Schultz-Gruppe, einer der größten Seilbahn- und Hotelbetreiber des Landes, hatte im Finale nur knapp das Nachsehen. Daran konnten auch beste Verbindungen zur niederösterreichischen Landesspitze nichts mehr ändern.