Chronik | Niederösterreich
21.02.2018

Getötetes Baby: Vater entgeht einer Mordanklage

Säugling in Niederösterreich zu Tode geschüttelt. Dem Vater wird wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang der Prozess gemacht.

Seinem sieben Monate alten Sohn Jacob hatte Patrick R. (29) beim Wickeln den Oberschenkel gebrochen. Trotz Verurteilung und behördlichen Kontaktverbots verletzte der gelernte Schlosser seine drei Monate alte Tochter Janika im vergangenen Sommer im Bezirk Mistelbach (NÖ) so schwer, dass das Baby kurz darauf auf Grund der Misshandlungen starb. Der Gerichtsmediziner stellte schwere Gehirnschäden in Folge eines Schütteltraumas fest.

Obwohl Patrick R. eingesteht, das Baby auf Grund von Überforderung heftig geschüttelt zu haben, bleibt dem 29-Jährigen eine Mordanklage erspart. Die Staatsanwaltschaft Korneuburg erkannte keinen Tötungsvorsatz und erhob Anklage wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang (Strafrahmen bis 15 Jahre).

Weil die Kindsmutter Sabrina T. (28) ihr Baby trotz Verbots des Jugendamts ihrem gewalttätigen Freund anvertraut hatte, muss sie sich beim Prozess am 6. März wegen Vernachlässigung eines Unmündigen verantworten.

Im Spital behandelt

In dem Verfahren wird wohl auch die Frage gestellt, warum das Krankenhaus Mistelbach keinen Verdacht schöpfte, als Janika am 3. Juli eingeliefert wurde. Das Kind behielt tagelang keine Nahrung bei sich und brüllte die meiste Zeit. Laut Anklageschrift hatte der Vater das Mädchen bereits zwei Tage zuvor stark geschüttelt. Trotz mehrerer Untersuchungen wurden die bei der späteren Obduktion festgestellten Hirnverletzungen im Spital nicht bemerkt. Janika wurde daher am 8. Juli aus dem Spital entlassen.

Weil die Kleine kurz darauf nachts wieder mehrmals schrie, habe sie Patrick R. erneut durch heftiges Schütteln ruhig gestellt. Als das Baby am nächsten Morgen leblos zusammen sackte, wurde es mit dem Notarzthubschrauber ins SMZ-Ost nach Wien geflogen. Zwei Tage später war Janika tot. Die drei anderen Kinder wurden der Kindsmutter von der Jugendwohlfahrt abgenommen.

Laut Sabrina T.s Rechtsanwalt, Robert Zauchinger, hat die Mutter in keiner Weise damit gerechnet, dass so etwas passieren könnte, wenn der Vater die Kinder betreut. "Die Straftat setzt einen Vorsatz voraus. Und der ist nicht gegeben", sagt Zauchinger.