Genuss-Anlage durch Weininvestments

Die Nachfrage nach exklusiven Tropfen steigt, das Angebot der Top-Winzer der Welt bleibt aber konstant: gute Voraussetzungen für schöneWertzuwächse.

Es soll ja in Österreich Vorstände geben, die liquide Mittel in Millionenhöhe in ihrem Keller lagern haben. Doch soll hier nicht von Banken die Rede sein, sondern von einem weitaus angenehmeren Investment: Weinen. Wer sich in turbulenten Zeiten
nach handfesten Investments sehnt und nicht Unsummen für Immobilien ausgeben
will, für den bieten sie eine interessante Alternative.

Doch die Auswahl ist riesig – was also kaufen? "Es gibt nur sehr wenige Blue-Chip-Weine", erklärt Simon Klocker vom Wiener Palais Coburg. Der Weinmanager ist Herr über 65.000 Flaschen – darunter auch Schätzen wie einem "Chateau d’Yquem", Jahrgang 1811, der für stolze 82.000 Euro auf der Karte steht. "90 Prozent des Sammlermarktes beschränkt sich auf Frankreich", erklärt er, im Speziellen auf die Regionen Bordeaux und Burgund.

Hochprozentig

Das lässt sich auch an der Zusammensetzung des Liv-Ex 100 feststellen, dem laut Eigenangaben führenden Wein-Index der Welt. Klingende Namen wie Lafite Rothschild, Mouton Rothschild oder Petrus finden sich da. Die Preise der großen Chateaus sind aber nichts für kleine Brieftaschen: Einige Hundert Euro muss man schon in die Hand nehmen, um eine 12er-Kiste mit Liv-ex gelisteten Weinen zu ergattern.

Dafür ist die Performance recht positiv: Der Index konnte zwischen Jänner 2005 und
Jänner 2009 über 100 Prozent zulegen. "Vor der Krise sahen wir teilweise Anstiege von 150 Prozent", meint der Wein-Journalist und Spezial-Händler Werner Feldner von www.kultweine.eu: "Nun fehlt den Leuten aber auch das Geld für hochwertige
Weine – die Preise sanken in den letzten sechs Monaten um 25 Prozent."

Wer nun eine Möglichkeit zum Einstieg sieht, sollte aber darauf achten, dass er das
flüssige Investment auch wieder losbekommt. Zwar gibt es auch im Internet einige Möglichkeiten, hohe Preise erzielt man meist aber nur bei Weinauktionen etwa von Christies, Sotheby’s oder Koppe&Partner. Wer in Weine investiert, sollte sich jedoch Zeit nehmen: Fünf bis zehn Jahre sollte der Anlagehorizont schon betragen – die richtige Lagerung in der Original-Holzkiste natürlich vorausgesetzt.

Doch was ist mit Weinen aus Österreich? Das kleine Land spiele auf internationalen
Weinauktionen höchstens im Süßweinbereich eine kleine Rolle, erklärt Willi Klinger,
Chef der Österreichischen Weinmarketing-Gesellschaft. Aber auch Österreich hätte "Weine von Weltklasse", und so ortet er "riesiges Kurspotenzial".

Wer die Wein-Wahl lieber Profis überlassen möchte, der sollte sich nach Weinfonds
umsehen. Bei Wealth Cap kommen Interessierte leider zu spät – der Vinum Fonds ist bereits in der Abverkaufsphase. Einen neuen Fonds (Mindesteinlage 50.000 €) legt im Frühsommer aber die Fondsgesellschaft ValVeri auf, der sich dann an Weingütern in der Toskana beteiligt. Gründer Giorgio Karhausen: "Wir investieren in die gesamte Wertschöpfungskette.“

Darauf sollten Anleger achten

"Entscheidend ist, dass derWein bei Weinauktionen bestehen kann", erklärt Experte Feldner. Dafür nötig wären positive Besprechungen in bedeutenden Weinmagazinen
wie The Wine Advocate (von Robert Parker) oder Wine Spectator. Großen Einfluss hat auch der Jahrgang. Anfänger sollten laut Feldner eher zu jungen Weinen greifen – zum Schutz vor Fälschungen. Dabei überzeugt das Jahr 2005 – laut Coburg-Weinmanager Klocker "der letzte große Jahrgang". Preisbestimmend wären
zudem die Art der Lagerung, die Zahl der Besitzer oder der Zustand von Etikett und Holzkiste, in der die Flasche liegt.

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?