Chronik | Niederösterreich
17.05.2017

Gemeinde schickte Info über Umbau an Toten

Folgenschwerer Irrtum brachte Anrainer um Möglichkeit des Einspruchs.

Erst wunderte sich die 75-jährige Besitzerin eines Hauses in Dürnstein in der Wachau lediglich, dass die Gemeinde sie nicht über Umbauten am Nachbarhaus informiert hatte. Dann kehrte sie nach einer Woche Abwesenheit zurück und stellte entsetzt fest, dass das Nachbardach frische Gaupen erhalten hatte. Von dort können zukünftige Bewohner direkt in ihre kaum eineinhalb Meter entfernten Fenster schauen.

"Wenn wir davon im Vorfeld gewusst hätten, hätten wir auf eine andere Lösung drängen können", sagen Christine Gruber und Karin Jungmayer, die beiden Töchter der Hausbesitzerin.

Als sie bei der Gemeinde nachfragten, stellte sich ein folgenschweres Missgeschick heraus: Ein Gemeindemitarbeiter hatte die Bauinformation an den bereits vor zwei Jahren verstorbenen Vater der Schwestern geschickt, der wegen der Verlassenschaftsabwicklung noch im Grundbuch stand.

Nie erhalten

"Das Schreiben ist nie bei uns angekommen", beteuert Gruber. "Mich wundert es sehr, dass unser verstorbener Vater angeschrieben wurde. Wir haben von der Gemeinde sogar ein Kondolenzschreiben erhalten, das auch öffentlich ausgehängt wurde", sagt Jungmayer.

"Unser neuer Amtsleiter wusste nicht, dass der Hausbesitzer verstorben ist. Außerdem ist die Gemeindeverwaltung angehalten, sich am Grundbuch zu orientieren", nimmt Bürgermeister Johann Schmidl den Mitarbeiter in Schutz.

Inzwischen haben die Geschwister den Baubescheid von der Gemeinde über Rechtsanwalt Christian Hirtzberger angefordert. "Wir haben ihn schon ausgeschickt", betont Stadtchef Schmidl, der meint: "Jetzt hängt es von den Anrainern ab, wie es weiter geht." Möglicherweise müsse eine neue Bauverhandlung angesetzt werden. "Aber nach meinem Gefühl würde es mich wundern, wenn etwas anderes herauskommt. Immerhin haben wir einen Amtssachverständigen beigezogen, laut dem alles der nö. Bauordnung entspricht", erklärt Schmidl.

"Das können wir uns nicht vorstellen. Denn alleine beim Brandschutz kann das gar nicht funktionieren. Da sind größere Abstände gefordert. Auch ist unser Haus entwertet, wenn einem der Nachbar aus einer Armlänge Entfernung ins Fenster schaut", findet Jungmayer. Außerdem werde jetzt eine viel größere Menge Regenwasser in die gemeinsame Dachrinne geleitet als bisher. "Wir fürchten, dass das Regenrohr dafür zu dünn ist und überläuft", sagt Gruber.

Der neue Nachbar hat angeboten, verspiegelte Fenster zu zahlen. Für die Betroffenen keine Lösung. "Im Sommer will man die Fenster ja öffnen können. Außerdem bauen die Nachbarn eine Terrasse in die Dachfläche ein. Wenn sie die Wohnung wirklich an Studenten vermieten, können wir uns wohl auf nächtlichen Partylärm einstellen", befürchtet Gruber.