Chronik Niederösterreich
12/05/2011

Geisterorgeln, Dauerkerzen, Viertelmesner und Messwein

St. Pölten - "Großartig, die Angebote sind überwältigend," jubiliert Emeka Emeakaroha, der farbige Pfarrer von Ober-Grafendorf. Ein Weihrauchfass hat er schon gekauft, ein Messgewand anprobiert. Bischof Klaus Küng erduldet derweilen in Sichtweite, wie ihm ein gebückter Fan den Eminenz-Ring küsst. Drinnen hängt der Geruch von Weihrauch und Naphtalin. Draußen strömen dunkel gekleidete Herren, viele mit robusten Begleiterinnen, zum Eingang. "Ich hab in ganz St. Pölten noch nie so viele römische Krägen gesehen," gesteht Küngs Medienberater, Eduard Habsburg-Lothringen.

"Gloria" ist die einzige Kirchenmesse im deutschsprachigen Raum. Die fromme Schau aller Bedarfsartikel rund ums Gotteshaus wurde Donnerstagvormittag im VAZ St. Pölten eröffnet. Fast 100 Aussteller sind da, bis Samstag 16 Uhr werden 5000 Besucher erwartet.

Überall klingelt und bimmelt es. Bis wie von Geisterhand Toccata und Fuge in C-Moll losbricht. "Vox Celestis", ein Orgelhersteller trägt mit Automatikmodellen der kirchlichen Personalnot Rechnung. 350 Choräle per Datenbank - um 28.000 Euro ist Hochwürden dabei. Ab 12.000 Euro kann man beim Turmuhren-Hersteller buchen. Im Niederpreissegment rangieren hingegen Dauerkerzen, Münzsortierer und Spezereien von Ginseng bis Schwarzkümmel. Sogar einen Kirchenheurigen gibt es und das Stift Admont liefert Messwein.

"Schon der Heilige Paulus hat empfohlen, ein Glas Wein kann nicht schaden," gibt Küng am Mikro von "Radio Maria" durch. Auch ÖAMTC-Manager Karl Hinterwallner ist da. Als "Viertelmesner", er teilt sich mit drei Männern die Kirchenbetreuung in Böheimkirchen.