Chronik | Niederösterreich
20.03.2018

Gasexplosion: Lange Suche nach dem Schuldigen

Schaden in Baumgarten liegt im zweistelligen Millionenbereich. Die Justiz führte eine Tatortrekonstruktion durch.

Die Gasexplosion im niederösterreichischen Baumgarten im vergangenen Dezember hat nicht nur einen Toten und 20 Verletzte gefordert. Der Schaden macht ein kleines Vermögen aus und bewegt sich laut "Gas Connect Austria" im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Nicht zuletzt wegen der riesigen Schadenssumme entwickelt sich die Suche nach dem Schuldigen zu einem Krimi.

Ermittelt wird von der Justiz wegen grob fahrlässiger Gemeingefährdung. Am Freitag haben Gericht und Staatsanwaltschaft Korneuburg deshalb eine Tatort-Rekonstruktion mit Ermittlern, Sachverständigen, allen betroffenen Firmen sowie deren Versicherungen in Baumgarten abgehalten. Auch die Familie des getöteten TÜV-Mitarbeiters Mathias Sch. (36) war dabei. Ihr Anwalt, Manfred Ainedter, hat sich für die Witwe des Verstorbenen als Privatbeteiligter an dem Verfahren angeschlossen. Laut Ainedter geht es um berechtigte Schadenersatzforderungen der Hinterbliebenen.

Die Ursache für die gewaltige Detonation ist mittlerweile unumstritten. Wie das renommierte Sachverständigen-Büro "Dr. Kiesselbach Consulting" festgestellt hat, wurde der Deckel eines Filterseparators nicht ordnungsgemäß mit dem Sicherungsbolzen verschlossen. Als die Anlage bei der Inbetriebnahme durch den TÜV unter Druck gesetzt wurde, passierte das Unglück. Mathias Sch. stand unmittelbar daneben, als es zur gewaltigen Explosion kam.

Bolzen vergessen

Die Frage ist: Wer hat den Sicherungsbolzen nicht ordnungsgemäß verschlossen?

Der besagte Filterseparator stand bereits bei einer Verdichterstation in Arnoldstein in Kärnten in Betrieb, ehe er abgebaut und auf einen Lagerplatz gebracht wurde. Erst später kam der Auftrag an die "Bilfinger Bohr- und Rohrtechnik GmbH" die gebrauchte Anlage bei der Verdichterstation in Baumgarten wieder einzubauen. Laut den bisherigen Ergebnissen waren zig Personen von Bilfinger und verschiedenen Subfirmen mit dem Aufbau der Rohrleitungssysteme und Filteranlagen in der Verdichterstation beschäftigt. "Die mechanische Fertigstellung der Arbeiten ist mit dem 4. Dezember protokolliert. Welche Unternehmen danach noch Arbeiten an der Anlage verrichtet haben, wissen wir nicht", sagt Bilfinger-Pressesprecher Peter Stopfer.

Wegen der Komplexität des Falles werden die Ermittlungen noch Monate in Anspruch nehmen. Zahlreiche Personen, die an der Anlage Hand angelegt oder den Auftrag dazu erteilt haben, müssen noch vernommen werden. Es geht darum die Verantwortlichkeiten zu überprüfen.

Gaslieferungen

Das Unglück hatte sogar marktwirtschaftliche Auswirkungen auf ganz Europa. In Italien stieg der Großhandelspreis für Gas nach der Katastrophe kurzfristig um fast 90 Prozent. Voraussichtlich bis Mai gibt es noch immer Einschränkungen beim Lieferumfang für die heimischen Gasspeicheranlagen.