Frequency ja, aber ohne nachhaltige Mistlawine

Das Stadtparlament erobert die Mitsprache bei der Popsause zurück: Gefordertwerden Umweltauflagen und Kontrollen.

Es ist erschütternd, wie es immer noch an der Traisen ausschaut“, versuchte Grüne-Mandatarin Julia Schneider das Auditorium aufzurütteln. Bei Sonne glitzern die Wiesen voller Glassplitter, aus Ufergebüschen wachsen ganze Campingsessel, mit Bierblech im Halteschlauferl dran, heraus. „Da kann mir niemand mehr weismachen, dass das nicht vom Frequency stammt“, meinte VP-Klubobmann Bernhard Wurzer. „Wir müssen unbedingt die Traisen als unsere Lebensader schützen“, appellierte FPÖ-Stadtrat Hermann Nonner. „Der Fluss ist voll mit Glas und Blech – so kann das nicht weitergehen.“

Lautstark und per ungewöhnlicher langer Diskussion eroberte Montagabend der St. Pöltener Gemeinderat seine Mitsprache-Hoheit am Frequency-Festival zurück. Tenor: Auch wenn die Popsause von 16. bis 18. August formal von der Behörde genehmigt werde – die politische Diskussion darüber lasse man sich nicht verbieten.

Für das Festival mit täglich 45.000 Fans sind alle Fraktionen. Von Wurzer auf den Punkt gebracht: „Es ist super, wenn St. Pölten fünf Tage im Ausnahmezustand ist und 100.000 Einwohner hat. Aber es geht um die Auswirkungen.“ Dementsprechende Forderungen: Ein strenger Umwelt-Forderungskatalog an Veranstalter Harry Jenner muss ebenso her, wie mehr Sanitäreinrichtungen und verstärkte Security-Kontrollen an den Zäunen, um das Glasflaschen-Verbot auch durchzusetzen. Die Gefahr, dass Jenner das Frequency von St. Pölten abzieht, wenn sich seine Gewinnspanne durch mehr Auflagen schmälert, wird als gering eingeschätzt.

Profit

St. Pölten habe „enorm profitiert vom Frequency, da braucht man nur in den Handel und die Hotellerie gehen“, erklärte Stadtchef Matthias Stadler. Er sei „nicht der Verteidiger von Jenner“ und man werde alles tun, um das Areal sauberer zu halten. Gefragt sei eine „allgemeine Bewusstseinsbildung“. FPÖ und Grüne enthielten sich bei der Festival-Förderung der Stimme.

( Kurier ) Erstellt am 31.01.2012