Chronik | Niederösterreich
09.01.2012

Freispruch nach Missbrauchsvorwurf

Mädchen belasteten 68-jährigen Mann aus Perchtoldsdorf schwer. Die Aussage der Kinder war aber nicht glaubwürdig.

Im Zweifel für den Angeklagten: So entschieden am Montag die Schöffen am Landesgericht Wiener Neustadt im Prozess gegen einen mutmaßlichen Kinderschänder. Der 68-jährige Johann G. wurde von allen Anklagepunkten freigesprochen (nicht rechtskräftig).

Dabei waren es schwer wiegende Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft gegen den Pensionisten vorbrachte. Er soll sich zwischen 2005 und 2011 regelmäßig an zwei Mädchen (elf und zwölf Jahre alt) vergangen haben.

Die Kinder haben eine schwere Kindheit. Ihr Vater musste eine Gefängnisstrafe verbüßen. Wegen immer wieder kehrender Drogenprobleme wurden die Mädchen ihrer Mutter weggenommen. Sie wuchsen bei einer Pflegemutter auf. Diese ließ sie immer wieder an den Wochenenden von dem 68-jährigen, schwer kranken Pensionisten und dessen Lebensgefährtin beaufsichtigen. Dabei, so die Angaben der Mädchen, soll der Pensionist sie sexuell missbraucht haben.

Lungenfunktion

Über die Art und Weise, verstrickten sich die Kinder jedoch in Widersprüche. Sie gaben an, dass sich ihr mutmaßlicher Peiniger unter anderem auf sie gelegt hätte. Ein ärztliches Gutachten besagt jedoch, dass der Mann nicht mehr im Stande ist auf dem Bauch zu liegen. „Mein Mandant hat nur noch 40 Prozent seiner Lungenfunktion. Wenn er auf dem Bauch liegen würde, wäre er innerhalb kürzester Zeit tot“, erklärt Verteidiger Leonhard Kregcjk. Auch andere Aussagen der Mädchen waren für das Gericht nicht nachvollziehbar. Beide Mädchen gelten durch die Geschehnisse in ihrem familiären Umfeld als verhaltensauffällig. Das ältere Mädchen ist in einer Betreuungseinrichtung für schwer erziehbare Jugendliche. Laut Aussage einer Betreuerin neigt das Kind dazu, „Geschichten“ zu erzählen. Die kleinere Schwester werde stark von der Größeren beeinflusst.

Das Schöffengericht sprach den Angeklagten frei.