Der Unfallwagen vor der Tankstelle in Eibesbrunn

© Kurier/Gerhard Deutsch

Chronik Niederösterreich
12/20/2021

Frau mit Auto überfahren: Szenen wurden am Tatort nachgestellt

49-Jährige im Weinviertel vom Wagen ihres Freundes überrollt und getötet. Das Gericht ließ die Geschehnisse am Montag nachstellen.

von Patrick Wammerl

Mord, fahrlässige Tötung oder einfach ein tragischer Unfall? Nach dem gewaltsamen Tod einer 49-jährigen Pharmareferentin an einer Tankstelle in Eibesbrunn im Weinviertel (Bezirk Mistelbach) versuchen Staatsanwaltschaft, Gericht und Sachverständige das Rätsel zu lösen.
Die Frau wurde am 21. November gegen 23 Uhr mutmaßlich von ihrem Lebensgefährten Peter S. (55) mit einem Dodge-Pick-up in einer Tankstellenausfahrt gerammt und dabei getötet.

Da der Mann seine sterbende Freundin auf der Straße zurückließ und in ein nahes Wettlokal flüchtete, schließen die Ermittler eine Vorsatztat nicht aus. Um die Umstände am Tatort zu klären, ordnete das Landesgericht Korneuburg für Montag eine Tatrekonstruktion an der Tankstelle an. Im Beisein der Sachverständigen wurden die Fahrmanöver nachgestellt. Die Erinnerungen von Peter S. sind durch Alkohol in der verhängnisvollen Nacht getrübt. Das Paar war im Stüberl des Reitstalles, in dem die Pharmareferentin ihr Pferd eingestellt hatte.

Bier, Rotwein und Schnaps

Dort wurde Zeugen zufolge Bier, Rotwein und Schnaps getrunken. Beide sollen stark alkoholisiert gewesen sein, als sie mit dem Pick-up in Leobendorf losfuhren. Laut dem Beschuldigten wollte die 49-Jährige am letzten Abend vor dem Lockdown noch in eine Bar oder etwas zum Trinken kaufen. Obwohl die Tankstelle geschlossen hatte, soll die Frau im Bereich der Zapfsäulen aus dem Wagen gesprungen und verschwunden sein. Peter S. vermutete, dass sie im Dunkeln ihre Notdurft verrichtete. Er suchte nach ihr und fuhr mit dem Auto wenig später aus der Tankstelle.

Rückspiegel

Dabei soll es zu der tödlichen Kollision gekommen sein. „Ich habe in den rechten Rückspiegel geschaut und sie da liegen gesehen“, so der 55-Jährige. Dies sei auch mit dem Obduktionsergebnis in Einklang zu bringen, erklärt sein Anwalt Farid Rifaat. Demnach sei die 49-Jährige nicht von dem Pick-up überrollt, sondern gerammt worden. Die 8. bis 12. Rippe brach und drang in die Lunge ein, weshalb das Opfer innerlich verblutete.

Flucht in Wettlokal

Als ein Zeuge und die Rettung an den Unfallort kamen, tat Peter S. so, als würde er das Opfer nicht kennen. Unter dem Vorwand, sein Auto von der Brünner Straße wegzustellen, flüchtete er mit dem Wagen in Richtung Gerasdorf. „Er hat die sterbende Frau einfach zurückgelassen. Es ist nicht erklärlich, weshalb er selbst keine Hilfe holte“, sagt Rechtsanwalt Florian Höllwarth. Der Jurist vertritt die Mutter der getöteten 49-Jährigen.

Wie Bilder aus einer Überwachungskamera zeigen, betrat Peter S. ein paar Minuten nach dem Unfall ein Wettlokal an der Brünner Straße. Er rief mehrmals in der Nacht seine Schwester an und flehte sie unter Tränen an, ihn abzuholen. Am nächsten Tag wurde er von der Polizei festgenommen.

Auf die Frage, wieso er vom Unfallort flüchtete und seine Freundin zurückließ, antwortete er: „Ich glaube, ich war im Schock. Ich wusste gar nicht mehr, was ich tue.“ Er habe keinen Grund gehabt, seine Partnerin mit dem Auto niederzufahren. 

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