Chronik | Niederösterreich
21.09.2017

"Folter" in der Justizanstalt: Vier Jahre Haft

23-Jähriger zerschnitt Mithäftling mit Rasierklinge den Rücken. Die Narben werden nie ganz verheilen.

Mit glasigen Augen lüftete Dominik P. (24) vor der Richterin am Mittwoch sein T-Shirt. Die Narben auf dem Rücken des 24-Jährigen zeigen immer noch deutlich die Buchstaben eines derben Schimpfwortes – eingeritzt mit einer Rasierklinge.

Es sind die Narben eines Gewaltausbruchs, der sich, wie berichtet, am 7. Jänner dieses Jahres im Haftraum 48 der Justizanstalt Hirtenberg abgespielt hatte. Der Staatsanwalt spricht von folterähnlichen Qualen, die der Haftinsasse Dominik P. über sich ergehen lassen musste.

Milan Z., ein mit 23 Jahren serbischer Dauerhäftling mit acht einschlägigen Vorstrafen – fünf Straftaten davon ereigneten sich in Gefängnissen – hatte die Idee mit seinen Zellengenossen "serbische Weihnachten" zu feiern – das orthodoxe Weihnachtsfest.

Um "gute Stimmung" aufkommen zu lassen hatten sich die Insassen mehrere Tabletten aus dem Suchtersatzprogramm zurückgehalten und die Dosis auf einmal eingenommen. "Wir waren bumzua", drückte es ein Mithäftling im Zeugenstand aus. Nach einem heftigen Wortgefecht sei Milan Z. ausgerastet. Er soll Dominik P. ein 23 Zentimeter langes, zugeschliffenes Buttermesser angehalten und ihm gedroht haben, es ihm in die Nieren zu rammen, wenn er nicht "mitspiele". Daraufhin ritzte er ihm mit einer Rasierklinge vier Buchstaben in den Rücken.

Zwei Tage unbehandelt

Erst zwei Tage später bemerkte das Wachpersonal die Verletzungen. Da waren die Wunden bereits entzündet. Die Narben werden ohne einer Hauttransplantation nie ganz verheilen. Dominik P. will die Wunden mit einem Tattoo verdecken. Mit dem nicht rechtskräftigen Urteil von vier Jahren Haft kam Milan Z. vergleichsweise glimpflich davon. Wären die Schöffen der Anklage gefolgt, hätte es bis zu zehn Jahre für absichtlich schwere Körperverletzung setzen können. Stattdessen entschied das Schöffengericht auf Körperverletzung mit schweren Dauerfolgen. Für die Mutter des Opfers, Manuela H., ist die Entscheidung ein "Hohn". "Mein Sohn ist sein Leben lang entstellt und er leidet extrem darunter."