Flughafen: Verhandlungs­ende um dritte Piste

Die öffentliche Verhandlung zur 3. Piste für den Flughafen Wien ist beendet.
Foto: ap

Die öffentliche Verhandlung zur 3. Piste ist Geschichte. Die Behörde lobt den Ablauf, Bürgerinitiativen bleiben skeptisch.

Im Multiversum in Schwechat ist am Mittwoch wie geplant die mündliche öffentliche Verhandlung gemäß Paragraf 16 UVP-G 2000 (Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz 2000) zum geplanten Bau einer dritten Piste auf dem Flughafen Wien zu Ende gegangen. Ein Bescheid der NÖ Landesregierung - Genehmigung oder Abweisung des Projektes - wird Ende 2011 oder spätestens für Anfang 2012 erwartet. Berufungsbehörde ist im Anschluss der Umweltsenat. Mit dem Bau der Piste könnten die Flugbewegungen von derzeit 70 auf rund 100 pro Stunde gesteigert werden.

Am letzten Tag blieb das öffentliche Interesse einmal mehr unter den Erwartungen. Kaum 30 Bürger saßen in der 2300 Personen fassenden Halle. Somit bleibt der Auftakttag der bestbesuchte, als sich knapp 250 Interessierte in die Anwesenheitslisten eingetragen hatten.
Nach insgesamt 38,5 Stunden reiner Redezeit und 120 mündlichen Einwänden fällt die Bilanz zwiespältig aus. Von Behördenseite wird der "ruhige, sachliche und korrekte Ablauf" hervorgehoben, während Bürgerinitiativen nach acht Tagen Zweifel an der Verhandlung und ihrer Sinnhaftigkeit hegen.

Flugrouten

Viktor Horak von der aus 15 Bürgerinitiativen bestehenden und im "Dialogforum Flughafen Wien" vertretenen "ARGE gegen Fluglärm" äußerte die Hoffnung, "dass nicht schon alles fixiert und die Verhandlung nicht nur ein Formalismus war". Er kritisierte, dass An- und Abflugrouten nicht Bestandteil des UVP-Verfahrens waren. Gerade diese stellten die "Hauptursache für die Lärm- und Umweltbelastung der überflogenen Gebiete dar".

Auch Manfred Schweighart von der Initiative "Gegenschall" sieht den bisherigen Ablauf kritisch. "Das Land NÖ ist sowohl Flughafeneigentümer, Verfahrensführer und Auftraggeber der Gutachten." Johanna Aschenbrenner-Faltl von der Antifluglärmgemeinschaft (AFLG) argumentiert, dass das medizinische Fachgutachten veraltete Zahlen verwendet. "Von 293 Fachpublikationen sind lediglich acht nach dem Jahr 2000 erschienen."

Die Forderung, das Verfahren neu aufzurollen und Gutachten grundlegend zu überarbeiten, dürfte jedoch ein frommer Wunsch der Pistengegner bleiben. Gertrud Breyer von der NÖ Landesregierung bestätigte am Mittwoch, dass "aufgrund der eingebrachten Einwände keine Änderungen zu erwarten sind."

In einer Aussendung bekannte sich Wiens Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank erneut zum Projekt. "Um konkurrenzfähig zu bleiben, führt kein Weg an der dritten Piste vorbei."

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(kurier) Erstellt am
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