Chronik | Niederösterreich
19.08.2017

Fledermaus-Forschung: Batwoman auf der Jagd

Wie steht es um die Fledermäuse im Nationalpark Donau-Auen? Katharina Bürger schaut nach.

Erst über die Wendeltreppe, dann über Holzleitern klettert Katharina Bürger hinauf in den Dachboden des Schloss Eckartsau im nö. Weinviertel. Mit jeder Stufe aufwärts steigt die Temperatur. Für die Bewohner zwischen den Balken kein Problem: Dutzende Fledermäuse haben das Schloss als Sommerresidenz auserkoren. Deshalb ist Bürger, die Fledermaus-Expertin, hier. Die 34-Jährige schaltet ihren Batscanner ein. Das Gerät macht die Rufe der Fledermäuse hörbar.

"So bewege ich mich im Sommer fort. Durch staubige Dachböden und Kirchtürme", sagt Bürger während sie mit der Taschenlampe ins Gebälk leuchtet. Die Wissenschaftlerin engagiert sich für die Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung in Österreich (KFFÖ) beim Monitoring und Schutz der gefährdeten Tiere.

Aktuell erhebt sie in und um den Nationalpark Donau-Auen den Bestand. 19 Arten wurden nachgewiesen. Heuer wurde das Jahr der Fledermäuse ausgerufen. Eine Ausstellung im Nationalparkzentrum Orth/ Donau widmet sich den Tieren.

Im Sommer haben jedenfalls viele Quartier in alten Dachböden und Gebäuden bezogen. "In Schloss Eckartsau gibt es drei Wochenstuben der Mausohr- , Brandt- und Breitflügelfledermaus", erklärt Bürger und deutet auf einen Haufen Guano, also Kot. Eine Wochenstube, das sind hier etwa 30 Mütter mit ihrem Nachwuchs.

Doch aktuell wird Bürger nicht fündig. Nur eine vereinzelte Mausohrfledermaus lugt aus einem Spalt. Der Rest ist ausgeflogen. Bald werden die Winterquartiere bezogen.

Zu den Fledermäusen ist die 34-Jährige zufällig gekommen. Sie hatte Meeresbiologie studiert und sich nebenbei beim KFFÖ engagiert. Dann machte sie ein Praktikum: "Mein erster Kontakt mit Fledermäusen war in Panama." Rasch faszinierten sie die Tiere – ihre Vielfalt und dass es noch Vieles zu entdecken gibt. In Österreich wurden 28 Fledermaus-Arten nachgewiesen, weltweit sind es zwischen 1100 und 1200. "Ich habe letztens richtig Glücksgefühle gehabt, als ich in einer Kirche 20 Langohrfledermäuse gefunden habe. Über die weiß man noch so wenig", berichtet die Expertin.

Rufe aufzeichnen

Mit ihrem Rucksack ist sie nun auf dem Weg in die Stopfenreuther Au. Dort will Bürger einen Batcorder aufstellen, der die Rufe der Tiere auffängt. Anhand der Laute können die meisten Arten bestimmt werden. Zusätzlich führt die Expertin des nächtens Netzfänge durch und kontrolliert die Quartiere. 2015 wurde bereits einmal der Bestand mittels derartiger Geräte überprüft. Mit Hilfe von GPS sucht Bürger nun die Standorte von damals auf, um einen Vergleich ziehen zu können.

"Ich bin auf der Suche nach der Teichfledermaus", erzählt sie. "Die ist erst 2010 erstmals in Hohenau nachgewiesen worden." Bürgers Leidenschaft ist rasch bemerkbar. Ein Fledermaus-Aufkleber ziert ihr Auto, ein Armband mit einem silbernen Anhänger ihr Handgelenk. "Vieles bekommt man auch geschenkt", erzählt sie lachend. Und: Sie teilt ihre Wohnung auch mit zwei echten Fledermäusen. Findlinge, die sie großzieht.

Durch hüfthohes Gras geht es Richtung Donau. Über umgestürzte Bäume und durch Spinnennetze. "In Panama war es auch unwegsam", erinnert sie sich. "Nur, da waren die Spinnennetze so stabil, dass sie nicht zerrissen sind." Dort klaubte sie die gefangenen Fledermäuse von den Netzen und rettete ihnen so das Leben.

Es ist der Artenschutz, der der 34-Jährigen am Herzen liegt. Klimawandel, Insektenrückgang, Gift und Windräder setzten den Fledermäusen zu. Doch jeder könne Quartiere schaffen und so zu ihrem Schutz beitragen. Mittlerweile habe sich das Image der Tiere gewandelt. "Es gibt genug Leute, die wissen, dass Fledermäuse nützlich sind."

Flugkünstler mit Vorliebe für Kirchen und Burgen

Sie lieben das Burgenland, besonders fliegen sie auf Kirchen und Burgen. Auf den Dachböden machen es sich die "Hausbesetzer" gerne gemütlich, um dort ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen: Trotz seiner vergleichsweise geringen Fläche gehört das Burgenland zu den Bundesländern mit den meisten Fledermausarten. 25 der 28 in Österreich vorkommenden Arten sind hier vertreten. Mehr als ein Drittel (34 Prozent) der frei lebenden Säugetiere sind Fledermäuse.

Die mittelburgenländische Burg Lockenhaus, mitten im Naturpark Geschriebenstein-Írottkő gelegen, ist ein besonderer Magnet, sagt Friederike Spitzenberger. Seit mehr als zehn Jahren setzt sich die Zoologin als Präsidentin der Organisation BatLife für den Schutz der Fledermäuse und ihrer Lebensräume ein. Mit Erfolg: Mit 1000 bis 1500 Exemplaren befindet sich auf Burg Lockenhaus die größte Fortpflanzungskolonie der Wimperfledermaus in Mitteleuropa. Warum das Bollwerk bei den Flugkünstlern, die sich mittels Echo-Ortung durchs Leben schlagen, so beliebt ist? "Die Dachböden, die als Wochenstube dienen, sind nicht zu heiß. Die Fledermäuse können ungestört ihre Jungen groß ziehen und ihre Nahrung, Insekten, finden sie ausreichend im Naturpark", erklärt die Expertin.

Besucher können auf der Burg bei diversen Ausstellungen mehr über das Leben der ältesten Säugetierspezies erfahren. Am Freitag wurde eine neue Höhle eröffnet, die das Leben der Fledermäuse anschaulich machen soll.

Fledermäuse stehen im Burgenland unter kirchlichem Schutz: Bei Renovierungen der Gotteshäuser wird auf deren Bedürfnisse Rücksicht genommen, erklärt Spitzenberger.