© Gilbert Weisbier

Eggenburg
12/06/2012

Fernsehgerät als Ansprechpartner

Ein Pilotprojekt soll heraus finden, wie weit Technik bei Betreuung unterstützen kann

von Gilbert Weisbier

Franz und Sieglinde Pindt werden von ihrem Fernseher daran erinnert, wann sie ihre Medikamente einnehmen sollen. Sie können mit der Fernbedienung Semmeln beim Bäcker bestellen oder mit einer freundlichen Dame in einer Servicezentrale in St. Pölten kommunizieren. Dabei sehen sie deren Gesicht am Bildschirm. Die Zentrale wird auch verständigt, wenn die Pensionisten längere Zeit nicht auf Hinweise reagieren.

Das Ehepaar lebt in einer Einrichtung für betreutes Wohnen in Eggenburg, Bezirk Horn und nutzt das System „Lissi – Lebe immer selbstständig und sicher“. „Wir sind sehr zufrieden damit“, meinen die Pensionisten. In einem Jahr wird man wissen, ob dieses Service auch in anderen Häusern oder Privathaushalten installiert wird. Um 29 Euro im Monat.

Neue Wege

Bei dem Versuch geht es darum, neue, leistbare Wege bei der Betreuung älterer Menschen zu finden. Denn auf das Land NÖ kommt eine enorme gesellschaftspolitische Herausforderung zu. „Natürlich wird die persönliche Pflege immer im Vordergrund stehen, aber wir wollen technische Möglichkeiten erproben, die sie unterstützen. Wir müssen die Menschen möglichst lange agil und fit genug halten und ihnen die Möglichkeit geben, in den eigenen vier Wänden alt zu werden“, sagte Landeshauptmann Pröll am Donnerstag bei der Projektpräsentation in Eggenburg.

„Bis 2026 wird sich die Zahl der 80-Jährigen um 45 Prozent die Zahl der 90-Jährigen um 90 Prozent erhöhen“, erklärte Pröll. „Es geht darum, mehr Erfahrungen zu sammeln, weil immer mehr Menschen in Einpersonen-Haushalten leben. Wir haben ein Servicezentrum in St. Pölten mit speziell ausgebildetem Personal eingerichtet“, berichtete Michaela Hinterholzer, Chefin des nö. Hilfswerks.

Kommunikation

Die Zentrale organisiert auch Arzttermine oder die Kommunikation zu Angehörigen. Das neue Modell soll individuelle Betreuung sichern, ohne den Personalaufwand im gleichen Maß zu steigern. Dabei wird auch das Sicherheitsbedürfnis der Menschen berücksichtigt. Denn das an den Fernseher angesteckte Gerät meldet der Zentrale, sobald Nutzer nicht auf die elektronische Kommunikation reagieren. Dann wird sofort überprüft, ob es der betreffenden Person gut geht. „Die Technik kann das Menschliche niemals ersetzen“, versicherte Landesrätin Barbara Schwarz. Trotzdem könne sie gewisse Erleichterungen bringen.

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