Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Fall Kührer: Michael K. weiter "tatverdächtig"

Der Haftrichter hatte den 49-Jährigen freigelassen, die Staatsanwaltschaft bereitet nun eine Beschwerde vor. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.

Der am Sonntag enthaftete Wiener Michael K. wird im Kriminalfall Julia Kührer von der Korneuburger Staatsanwaltschaft weiterhin als "dringend tatverdächtig" bezeichnet. Auf seinem Grundstück wurden vergangene Woche die sterblichen Überreste des seit 2006 vermissten Mädchens gefunden. Im KURIER-Interview hatte Michael K. beteuert, nichts mit dem Verschwinden von Julia zu tun zu haben. Er habe nichts von der Leiche in dem Erdloch gewusst und Julia Kührer "eigentlich nur vom Sehen" gekannt.

Dass der Korneuburger Haftrichter keinen so dringenden Tatverdacht sah, dass eine U-Haft gerechtfertigt wäre, hat auf die Sichtweise der Anklagebehörde keinerlei Einfluss, erläuterte deren Leiter Karl Schober am Donnerstag. Für die am Mittwoch angekündigte Beschwerde gegen die Freilassung des Mannes werde man die 14-tätige Frist "möglichst ausreizen", sagte er. Man hoffe, bis dahin weitere Erkenntnisse zu gewinnen, die man in die Argumentation einfließen lassen könne.

Ermittlungen

Die Tatortarbeit in Dietmannsdorf 3 ist nach knapp einer Woche unverändert im Gang. Die polizeiliche Spurensicherung sei weiterhin an Ort und Stelle und werde vermutlich auch über das Wochenende weiterarbeiten, so Schober. Über neue Erkenntnisse oder Funde könne man derzeit aber nichts berichten. Neben den Ermittlern am Fundort sind auch mehrere Gutachter mit dem Fall betraut. Gerichtsmediziner in Wien und Innsbruck würden das Skelett auf DNA und Todesursache untersuchen, so der Leiter der Staatsanwaltschaft. Erste Ergebnisse werden für Freitag erwartet. Auch ein Brandsachverständiger arbeitet an der Klärung des Falls, da es sichtlich Versuche gab, die Leiche des Mädchens und andere Gegenstände wie Schulbücher zu verbrennen.

Die damals 16-jährige Julia Kührer aus Pulkau im Bezirk Hollabrunn war am 27. Juni 2006 spurlos verschwunden. Am Abend des 30. Juni 2011 entdeckten Nachbarn - durch Zufall, wie es hieß - das Skelett des Mädchens in einem Erdkeller auf dem Grundstück Dietmannsdorf 3. Auch Überreste von Schulbüchern und einer blauen Decke wurden gefunden. Der Verfügungsberechtigte über den Grund, Michael K., wurde am Freitag in Wien festgenommen, der Korneuburger Haftrichter ließ ihn am Sonntag aber wieder frei. Die Todesursache ist so wie Motiv, Täter, Tatzeitpunkt und -ort nach wie vor offen.

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