Chronik | Niederösterreich
01.12.2017

Fall Kührer: Hinweis für Drogentod Julias

Eine Gutachterin kommt zu dem Schluss, dass es eine Überdosis Crystal Meth war.

Jetzt hat es Michael Kollitsch Schwarz auf Weiß. Jener 55-Jährige, der seit vier Jahren in der Justizanstalt Krems-Stein seine Haftstrafe absitzt – wegen eines Mordes, den er immer bestritten hat: Eine Gutachterin kommt zu dem Schluss, dass die 16-jährige Julia Kührer aus Pulkau mit hoher Wahrscheinlichkeit an einer Drogen-Überdosis gestorben ist.

Anfall

Die Biochemikerin Eva-Kathrin Sinner stellte fest, dass Julia an einer Überdosis Metamphetamin (Crystal Meth) gestorben sein muss. Die Substanz könnte dazu geführt haben, dass die junge Frau einen epileptischen Anfall erlitten hat. Und das erkläre auch den Zahnausfall bei Julia. Der wurde im Verfahren als brutaler Schlag von Kollitsch gedeutet.

Schon beim ursprünglichen Mordverfahren im Jahr 2013 waren Julias sterbliche Überreste auf Rückstände von Drogen untersucht worden. Zwar stellte der damalige Gutachter auch Reste von Metamphetamin fest – allerdings in einer so geringen Dosis, dass sie nicht tödlich gewesen wären. Sinner widerspricht ihm: Damals sei nur die Konzentration im Gehirn berechnet worden, man hätte sie allerdings für den ganzen Körper des Mädchens berechnen müssen.

Anwalt Wolfgang Blaschitz hat mit diesem Gutachten gute Karten im laufenden Verfahren für eine Wiederaufnahme des Falles. Am 24. Jänner findet der nächste Termin im Landesgericht Korneuburg statt.

Ohrenzeugin

Dann soll auch jene Zeugin aussagen, die erst im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens zum Thema wurde. Sie soll (wie schon ein weiterer Zeuge) folgenden Satz bei einer Party gehört haben: "Wir müssen ihm helfen, damit ihm nicht das Gleiche passiert wie der Julia." Konkret ging es um einen jungen Mann, der gerade eine Überdosis Rauschgift eingenommen hatte. Der Satz soll von Thomas Sch. stammen – dem Ex-Freund Kührers, den die Ermittler ursprünglich verdächtigt hatten.

Julia Kührer war im Sommer 2006 spurlos in der kleinen Stadt Pulkau verschwunden. Erst fünf Jahre später wurden ihre sterblichen Überreste in einer Kellerröhre in einem Nachbarort gefunden. Sie gehörte zu dem Haus, in dem Michael Kollitsch lebte.