Chronik | Niederösterreich
20.04.2012

Experiment „Hundekobl“ friedlich

Umstrittene Hundelaufzone blieb im ersten Jahr ohne Zwischenfälle. Anzeigen im Freiland haben Seltenheitswert.

I find halt: Braucht hätt‘ ma‘s net.“ Gastro-Kommerzienrat Anton Schopp kann sich als Präsident des Schäferhundevereins St. Pölten nicht mit dem 2100 m² großen eingezäunten Geviert im Hammerpark anfreunden. Schließlich gäbe es allein in „seiner“ Hundeschule in Ratzersdorf samstags ab 14 Uhr auf zwei Hektar freien Auslauf. Noch weiter geht ÖVP-Stadträtin und Hundehalterin Ulli Nesslinger: „Das ist und bleibt ein hässlicher Kobl, wo die Viecherl nur im Kreis rennen können. Weder ich, noch meine Hundefreunde gehen dorthin.“

Community

Ein Jahr nach Errichtung der ersten Hundelaufzone St. Pöltens sind die Skeptiker nicht bekehrt. Die Initiatoren im Rathaus hingegen sprechen von einem gelungenen Experiment. „Ganz brav sind‘s“ weiß Stadtgartenchef Robert Wotapek, der für die Betreuung zuständig ist. „Die räumen sogar die Hundstrümmerl weg.“ Mediensprecher Thomas Kainz berichtet von „einer richtigen Community, die sich dort entwickelt hat.“

Ab 16 Uhr würden täglich mindestens zwei Dutzend Hundehalter mit ihren Tieren die Laufzone bevölkern, schildert der staatlich geprüfte Hundetrainer. Sogar eine Beleuchtungsanlage habe man mittlerweile auf Wunsch der Freilauf-Fans installiert. Und, was überhaupt das Wichtigste ist: „Es kam dort unseres Wissens nach bisher zu keinem einzigen Zwischenfall.“ Weder hätten sich Vierbeiner, noch Herrln oder Frauerln in heftige Revierkämpfe verstrickt.

Die „Kobl“-Gegner führen ihre Lieblinge an der Traisen äußerln. Jogger, Radler und Mütter mit Kinderwägen beschweren sich immer wieder über frei laufende Hunde. Ernst Schwarzmüller, Leiter des Magistrats-Strafamtes, erinnert an deutliche Strafen bei Missachtung der Leinenpflicht. 50 Euro schon bei der Premiere. Mehr als 20 Fälle im Jahr bekommt er freilich nicht auf den Schreibtisch.