Chronik | Niederösterreich
18.06.2018

Europaweite Fahndung: 150 Opfer durch Teppichmafia

Statt „Perser“ zu reinigen, verkauften sie diese weiter. Mehr als 700.000 Euro Schaden

Weltmännisch und sehr fachkundig seien sie aufgetreten, erzählten die Opfer den Polizisten. Diese Aussage hörten die Fahnder oft, denn mindestens 150 Menschen sollen drei mutmaßlichen Teppich-Betrügern auf den Leim gegangen sein. Der Schaden beträgt mehr als 700.000 Euro.

So funktionierte die Masche des Trios: Sie gaben an, dass sie für eine Teppichreinigungsfirma arbeiten würden. Hatten sie dann einmal das Vertrauen der Kunden erlangt, sollen sie laut Polizei einen bis zu 1000-fach überhöhten Preis für die Reinigung und Reparatur der Teppiche verlangt haben.

In vielen Fällen schauten die Opfer aber überhaupt durch die Finger. Sie gaben den Männern die Teppiche zur Reinigung mit, bekamen sie aber nicht mehr zurück. Der Verdacht der Fahnder: Die Kriminellen sollen die Perser einfach an Dritte weiterverkauft haben.

Fahndung

Doch selbst als es brenzlig wurde und sich manche Kunden ob der hohen Preise misstrauisch zeigten, gingen die beiden Franzosen und der Österreicher äußert kaltschnäuzig vor. Sie logen ihren Opfern vor, dass sie die Teppiche bei Auktionen oder im Geschäft verkaufen würden – eine glatte Lüge.

Drei Jahre lang waren die mutmaßlichen Täter in Wien, Niederösterreich, Tirol, Kärnten und Steiermark aktiv. Schließlich kamen ihnen Ermittler der Polizeiinspektion Melk auf die Schliche. Bei Hausdurchsuchungen konnten die Beamten mehr als 250 orientalische Teppiche sicherstellen. Nicht angetroffen wurden die Verdächtigen. Manuel und Alfred C. sowie Peter R., der als Hilfskraft fungiert haben soll, könnten sich mittlerweile ins Ausland abgesetzt haben. Deshalb wurden gegen sie auch europäische Haftbefehle erlassen.

Hinweise

Sachdienliche Hinweise zum Aufenthaltsort der Beschuldigten werden unter 059133/3130 entgegengenommen. Die sichergestellten Teppiche sind unter www.bmi.gv.at/fahndung ersichtlich.

Seitens der Landespolizeidirektion Niederösterreich geht man davon aus, dass die Zahl der Geschädigten noch weiter wachsen könnte.