Chronik | Niederösterreich
16.04.2017

Erwin Prölls Abgang: Das bleibt vom Vierteljahrhundert

Nach fast 25 Jahren im Amt tritt er am Mittwoch als Landeshauptmann ab – eine Bilanz.

Der erste Mann im Land Niederösterreich wird als Österreichs Nummer zwei abtreten. Wenn Erwin Pröll am kommenden Mittwoch seinen Posten als Landeshauptmann an Johanna Mikl-Leitner abgibt, war er 24 Jahre und 179 Tage im Amt. Nur der Oberösterreicher Heinrich Gleißner war in seinem Heimatbundesland noch länger Landeshauptmann (1934 bis 1938 und 1945 bis 1971).

Was bleibt von Erwin Pröll sichtbar? Der Versuch einer Auflistung – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Museumsstücke.Seit 1992 hat Erwin Pröll unzählige Auslandsreisen absolviert, Bänder durchschnitten, Dokumente unterzeichnet und Spaten gestochen. Einige Erinnerungsstücke werden nun ihren Weg ins nö. Haus der Geschichte finden. Darunter eine kasachische Tracht mit Krummdolch (Delegationsreise, 2005), eine Füllfeder (Eröffnung des Nationalparks Thayatal, 2000), eine Schere (Verkehrsfreigabe Nordautobahn Eibesbrunn-Schrick, 2009), ein Hammer (Grundsteinlegung Radbrücke Schloßhof, 2011) und ein Spaten (Spatenstich Landesgalerie Krems, 2016).

EU-Netzwerker. Die Intensität von Prölls Landesaußenpolitik ist mittlerweile Legende. Für europaweites Aufsehen sorgte seine Initiative für die Fortsetzung der Regionalförderungen im Jahr 2011. Insgesamt gewann Pröll 208 Regionen und 114 Städten für die "St. Pöltner Erklärung".

Kampagnen. Ende der 1980er war Pröll noch nicht Landeshauptmann, fuhr aber erste große Kampagnen. Dazu zählt der Kampf für die Wiedereinführung der Milchflasche – gemeinsam mit dem jungen Wiener Umweltstadtrat Michael Häupl. Erfolgreicher als die Flaschen-Initiative war Prölls Bemühen um die Dorferneuerung: 1985 mit vier Testgemeinden begonnen, gibt es heute 780 Dorferneuerungsvereine in NÖ und die "Europäische ARGE Landentwicklung & Dorferneuerung".

Tunnel-Thema. In den 1990er-Jahren verschrieb sich Pröll dem Kampf gegen den Semmering-Basistunnel. Naturschutz- und und wasserrechtliche Einwände schickten das Projekt oft wieder in die Planungsschleife. Seit 2012 wird gebaut.

Masten-Steuer. 2005 brachte Pröll mit der Ankündigung einer Handymasten-Steuer Mobilfunkbetreiber zum Schwitzen. Am Ende gab es keine Steuer, sondern die Mehrfachnutzung bestehender Masten.

Nobelpreis. Pröll sah NÖ als "Gewächshaus, in dem Ideen wachsen, Wissen reift und Forschung gedeiht". Sichtbare Zeichen dafür sind etwa das Institute of Science and Technology (IST) in Gugging, das Medaustron-Zentrum in Wr. Neustadt oder die MedUni in Krems. Die Vision: "Dass nach Konrad Lorenz ein weiterer Nobelpreisträger aus einer unserer wissenschaftlichen Einrichtungen in Niederösterreich hervorgehen kann."

Wolkenturm. Ähnlich groß war Prölls Engagement in der Kunstförderung. Von der Opposition wurden die Millionen-Investitionen oft kritisiert. Doch Projekte wie der Grafenegger Konzertbau "Wolkenturm" brachte ihm die Anerkennung der Künstler ein.

Persönlichkeit. Erwin Pröll war stets eine Persönlichkeit, die polarisiert. Der Nimbus "Machtpolitiker" trifft auf den beseelten Landeshauptmann, der bei Wahlen absolute Mehrheiten in Serie einfuhr. Klar scheint aber schon jetzt, dass der kontaktfreudige Arbeiter, der – so will es der Volksmund – jedem Niederösterreicher einmal die Hand geschüttelt hat, nicht völlig von der Bühne verschwinden wird.

19. April 2017 - das Drehbuch zum Amtswechsel in Niederösterreich

Pünktlich um 11 Uhr startet die Sondersitzung des NÖ Landtags im St. Pöltener Landhaus. Prölls offizieller Verabschiedung folgt die Wahl Johanna Mikl-Leitners zur neuen Landeshauptfrau. Auf der Galerie erwartet werden zahlreiche prominente Gäste, so hat etwa Wiens Bürgermeister Michael Häupl sein Kommen angekündigt. Ein Abendempfang im Landhaus wird Prölls letzten Tag als Landeschef beschließen.