Chronik | Niederösterreich
03.08.2017

Entführer wegen 30 Sexualdelikten vorgemerkt

Mutmaßlicher Vergewaltiger wurde schon mehrfach wegen sexueller Belästigung verfolgt. Der Mann ist nicht geständig. U-Haft verhängt.

Der 45-jährige Schlosser Erich L. dürfte ein wandelndes Pulverfass gewesen sein, das am vergangenen Wochenende schließlich hochging. Der mutmaßliche Entführer, Vergewaltiger und Peiniger einer 25-jährigen Krankenschwester aus dem Waldviertel hatte bereits 30 polizeiliche Vormerkungen wegen Sexualdelikten. Unter anderem soll er Schülerinnen der landwirtschaftlichen Fachschule unweit seines Hauses in Gaming (Bezirk Scheibbs) aufgelauert und sich vor den Mädchen entblößt und onaniert haben – nicht nur ein Mal.

Die Polizei ist sich sicher, dass sie einen brandgefährlichen Triebtäter aus dem Verkehr gezogen hat. So gefährlich, dass sein schmuckes Anwesen im Zuge der Hausdurchsuchung auch auf menschliche Überreste abgesucht wurde. Die Arbeit der Tatortspezialisten war am Mittwoch in und rund um das Haus immer noch nicht abgeschlossen. Wegen der Brisanz des Falles verhängte die Staatsanwaltschaft Krems eine Informationssperre.

Mittlerweile wurde über den 45-Jährigen die U-Haft verhängt. Die Einvernahme des Mannes durch die Haftrichterin dauerte mehr als zwei Stunden.

Familienvater

Erich L. ist seit der Trennung von seiner Frau vor rund zehn Jahren allein stehend. Die beiden erwachsenen Kinder sind zusammen mit der Mutter ausgezogen. Nachbarn beschreiben den Mann als verschlossen und extrem zurückgezogen. Der 45-Jährige soll vergangenen Samstag, wie berichtet, am Edlesbergersee im Bezirk Zwettl eine 25-jährige Krankenschwester beim Baden entführt und in einem Lieferwagen in sein Haus ins 70 Kilometer entfernte Gaming verschleppt haben. Während ein Hubschrauber, Einsatztaucher und Suchmannschaften die Gegend nach der Abgängigen durchkämmten, soll die Frau die ganze Nacht über einem unvorstellbarem Martyrium ausgesetzt gewesen sein. Sie wurde angekettet, geknebelt und die Nacht über mehrfach missbraucht.

"Ich habe mich immer gewundert warum die Scheiben des Lieferwagen mit silberner Folie zugeklebt sind. Sonntagvormittag ist er damit weggefahren und hat noch freundlich gewinkt", schildert eine Nachbarin. Zu dem Zeitpunkt lag das Opfer gefesselt im Laderaum. Erich L. fuhr mit der 25-Jährigen zurück an den Edlesbergersee wo er sie aus dem Wagen warf und die Verletzte kurz darauf von den Suchtrupps gefunden wurde. "Wir haben sie, sie lebt und ist bei Bewusstsein" lautet der erste Funkspruch.

Kennzeichen

Zum Glück konnte das Opfer Angaben zum Fahrzeug und Fragmenten des Kennzeichens machen. Ermittler des Landeskriminalamtes konnten den Verdächtigen daher rasch aus dem Verkehr ziehen.

Seither laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Es gilt zu klären, ob der 45-Jährige auch für andere Straftaten in Frage kommt und ob er eventuell einen Mitwisser oder Komplizen hatte. Die Ermittlungen sind noch lange nicht abgeschlossen, heißt es bei der Polizei. Erich L. sitzt mittlerweile in der Justizanstalt Krems.

Verdächtiger nicht geständig

Am Donnerstag hat die Polizei erste Details zum Tathergang veröffentlicht. Ein 45-Jähriger soll die junge Frau in ein Haus entführt und sich mehrmals an ihr vergangen haben. Der Beschuldigte zeigte sich laut Exekutive nicht geständig. Ermittlungen zu eventuellen weiteren Straftaten laufen.

Die 25-Jährige war am Samstagabend nach einem Aufenthalt an einem Badesee im Bezirk Zwettl abgängig gemeldet worden. Eine eingeleitete Suchaktion blieb vorerst ohne Erfolg. Die Frau wurde Sonntagmittag in der Nähe des Sees verletzt gefunden. Sie gab an, von einem Unbekannten entführt und vergewaltigt worden zu sein.

Die Ermittlungen des Landeskriminalamtes Niederösterreich (Bereich Sexualdelikte) ergaben, dass die Frau am Samstag gegen 12.00 Uhr von einem Mann unter dem Vorwand einer Panne zu einem Kleintransporter gelockt worden sei. Dort habe der Täter das Opfer gefesselt und in eine Kiste gesperrt. Anschließend sei der Beschuldigte mit der Frau zu einem Haus - laut Medienberichten handelt es sich um sein Wohnhaus im Bezirk Scheibbs - gefahren, wo er sie ihren Angaben zufolge gefesselt festhielt und mehrfach vergewaltigte. Am Sonntag soll der 45-Jährige das Opfer wieder zu dem Badesee gebracht und freigelassen haben.

Aufgrund der Angaben des Opfers und umfangreicher Ermittlungen konnte ein einschlägig vorbestrafter 45-Jähriger als Beschuldigter ausgeforscht werden, teilte die Polizei mit. Das Gericht genehmigte die von der Staatsanwaltschaft Krems an der Donau angeordnete Festnahme und die Durchsuchung seines Anwesens und seiner Fahrzeuge. Der Mann wurde am Montag kurz vor 16.00 Uhr von Beamten des Landeskriminalamtes Oberösterreich, Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität, im Bezirk Grieskirchen festgenommen.

Der 45-Jährige wurde am Mittwochnachmittag in die Justizanstalt Krems eingeliefert. Am frühen Donnerstagnachmittag war die Einvernahme noch im Laufen, eine Entscheidung über die von der Staatsanwaltschaft beantragte U-Haft stand noch aus.

Die Frau wurde am Sonntag wegen ihrer Verletzungen und ihres psychischen Zustands in das Landesklinikum Zwettl gebracht. Sie konnte der Polizei zufolge das Spital mittlerweile wieder verlassen.