Ende der Austria Tabak: Abschied für immer

Am Tag vor dem Heiligen Abend schloss das Hainburger Tabakwerk die Pforten. Der Abschied fiel emotional aus.

Jakob Horvath hat den Großteil seines Lebens in den Dienst der Zigarette gestellt. „35 Jahre habe ich geraucht“, erzählt der Hainburger. Fast genauso lang, nämlich 29 Jahre, arbeitete er im Austria-Tabak-Werk in seiner Heimatstadt, wo bis zuletzt zehn Milliarden Zigaretten pro Jahr die Produktion verließen. „Nun heißt es Lebewohl“, seufzt Horvath. „Es ist vorbei.“

Am Freitag schloss der japanische Mutterkonzern JTI endgültig das Werk. Ab dem nächsten Jahr wird die Produktion nach Rumänien und Polen verlegt. Das Geld hat gesiegt. Hohe Lohnkosten und stagnierender Absatz sorgten für die Entscheidung aus Fernost. Als Jakob Horvath – er war bis zuletzt Betriebsratsratsvorsitzender – im Mai einen Anruf des KURIER erhalten hatte, konnte er die Botschaft nicht glauben. „Die Journalistin hat mich gefragt, ob ich schon von der Schließung erfahren habe“, schildert der 50-Jährige. „Wir haben von unserem Ende über die Medien erfahren“, erzählt er.

Danach ging es Schlag auf Schlag: Ein anfänglicher Aufschrei der Politik verhallte bald, die 240 Mitarbeiter in Hainburg fürchteten um ihre Zukunft. „Hier ist uns die Firmenleitung entgegengekommen“, schildert Horvath. Die Gewerkschaft verhandelte in nächtelangen Sitzungen Sozialpläne, die das schmerzliche Ende erträglicher gestalten sollten. Rund 10.000 Euro pro Mitarbeiter investiert JTI in Aus- und Weiterbildung. Zudem kolportieren Insider, dass die Japaner pro Dienstjahr 0,9 Gehälter als Golden Handshake überweisen.

Knackpunkt Grasser

2001 gelangte das ehemalige Staatsunternehmen ins Eigentum der Gallaher-Gruppe. Der damals noch als „Mister Nulldefizit“ bekannte Finanzminister Karl-Heinz Grasser verkaufte die öffentlichen Anteile, was Horvath heute in Frage stellt. „Ohne Privatisierung wäre eine österreichische Produktion wohl noch da“, meint er. Zumal das Werk immer für namhaften Profit sorgte.

„Wir waren mehr als nur Kollegen, wir waren eine richtige Familie“, so Horvath. „Der Abschied fiel emotional aus“. Für den gelernten Mechaniker bleibt noch bis Sommer Zeit, einen neuen Job zu finden. Er kontrolliert den Maschinenabbau. „Was dann passiert, das steht in den Sternen ...“

( Kurier ) Erstellt am 24.12.2011