Chronik | Niederösterreich
30.04.2017

Ein Schutzschild für drei tote Kinder

Vater konnte seine Kinder fünf Monate nach der Bluttat von Böheimkirchen diese Woche beerdigen.

Nieselregen am Ottakringer Friedhof in Wien. Drei Leichenbestatter tragen die Urnen von Sebastian (10), Fabian (9) und Michelle (7). Vater Andreas K. begleitet seine drei eingeäscherten Kinder auf ihrem letzten Weg. Gestützt wird der 37-Jährige auf dem "härtesten Gang seines Lebens" von seinen Eltern.

Es ist fünf Monate her, dass eine unvorstellbare Bluttat für Entsetzen sorgte. Andreas K.s Ex-Frau ermordete im niederösterreichischen Böheimkirchen (Bezirk St. Pölten-Land) nicht nur ihre Mutter und ihren Bruder sondern auch ihre eigenen drei Kinder (siehe Artikel unten). Noch bevor ihm die Polizei die Todesnachricht persönlich überbringen konnte, erfuhr der Vater aus den Nachrichten vom Tod seiner drei Lieblinge.

Wie berichtet, hatte die Mutter nach der Trennung von Andreas K. versucht, den Kontakt zwischen dem Vater und seinen Kindern zu unterbinden. Seit 2013 gab es vor Gericht einen zermürbenden Rechtsstreit. Obwohl eine Gutachterin feststellte, dass die Mutter die Kinder manipulierte, hatte der EDV-Techniker wenig Gelegenheiten, seine Kinder zu sehen.

KURIER: Die furchtbare Tat liegt ein paar Monate zurück. Wie verarbeitet man als Vater solche Geschehnisse? Andreas K.: Ich glaube gar nicht. Ich steigere mich in die Arbeit hinein, gehe wieder ins Fitnesscenter und versuche mich bestmöglich abzulenken. Man lebt nur noch von Tag zu Tag.

Wieso hat es so lange gedauert, bis Sie Ihre Kinder diese Woche beerdigen konnten?

Das war nicht leicht. Anfangs haben die Ermittlungen lange gedauert. Ein Notar und ein Kurator wurden für die Abwicklung der Angelegenheiten bestellt. Die Urnen hätten eigentlich am Friedhof in Böheimkirchen beigesetzt werden sollen. Aber da gab es Probleme. Es war sehr anstrengend.

Warum haben Sie sich dann für eine Beisetzung in Wien-Ottakring entschieden?

Die Bestattung in St. Pölten hat mir in der schwierigen Situation wahnsinnig geholfen. Ich wohne in der Nähe des Ottakringer Friedhofes. Außerdem sind die Kinder jetzt ganz in der Nähe vom Grab ihres Großvaters.

Haben Sie eine Erklärung für das, was passiert ist?

Nein. Ich habe versucht, Antworten zu finden, habe aber keine bekommen. Ich war mit meiner Mutter in der Schule der Kinder und wollte mit den Lehrerinnen sprechen, um mehr darüber zu erfahren, wie die Kinder so waren. Wie sie in der Klasse gesehen wurden. Was sie gemacht haben. Wir durften aber nur mit der Direktorin sprechen.

Haben Sie persönliche Gegenstände zur Erinnerung?

Ich bekomme vielleicht noch Fotos aus dem Haus. In der Schule habe ich drei Kartons mitbekommen. Teilweise sind es Geschenke, die ihre Freunde und Mitschüler gebastelt oder gezeichnet haben. Auch ganz bewegende Nachrichten und Briefe sind darunter. Fabian hatte einen Hasen der Casanova hieß und starb. Ein Freund wünscht ihm von ganzem Herzen, dass er im Himmel wieder mit Casanova spielen kann. Ein anderes Kind hat für sie ein Schutzschild gebastelt. Es gibt nichts Bewegenderes als diese Botschaften.