Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Ein Haus und viele Ansichten

Dürnstein - Geteilt sind die Meinungen zum Neubau des Paradewinzers FX Pichler mitten in den Dürnsteiner Weingärten.

Das lässt niemanden in Loiben kalt. Dazu, dass der Topwinzer FX Pichler mitten in den Weingärten ein neues Wirtschaftsgebäude errichtet - der KURIER berichtete - gibt es viele Meinungen. Die höchst konträr ausfallen, wie eine aktuelle Umfrage vor Ort ergab.

"Ich bin sehr dafür, dass etwas Neues gebaut wird, ob es da hin passt oder nicht überlasse ich anderen. Ich steh' zu diesem Bau", meint Hertha Mariotti aus Loiben. Sie findet, dass die Baubeschränkungen in der Wachau "schrecklich" seien.
Franz Hofstetter aus Unterloiben sieht das ganz anders: "Eine Katastrophe. Ich frage mich, ob es noch einen Landschaftsschutz gibt. Was alles geht, wenn man einen Namen hat. Dass man so etwas im Landschaftsschutzgebiet machen kann."
Ein Mann, der - wie die Mehrheit der in der Ortschaft Befragten - nicht genannt werden will, sagt: "Dort passt es nicht hin. Und wenn du selber eine neue Weingartenhütte bauen willst, darfst das nicht."

Strafe

Ganz ähnlich geht es einem Pensionisten: "Vor Jahren habe ich eine Weingartenhütte gebaut. Die Gemeinde hat zugestimmt. Aber der Landschaftsschutz war dagegen, so habe ich 350 Schilling Strafe zahlen müssen. Aber ich war ja auch nur ein kleiner Arbeiter. Wenn so was Großes geht, wird sicher begünstigt."

"Mir gefällt der Bau überhaupt nicht, besonders wegen des Platzes. Für die Landschaft ein richtiges Störobjekt dort. Ich weiß schon, dass die Paradewinzer auch viele Leute in die Gegend bringen und dass sie neue Gebäude brauchen. Ich weiß nicht, ob das Auswirkungen auf den Tourismus hat, auf die Landschaft sicher", meint eine Frau.

"Ich bin der Meinung, dass so etwas gebaut gehört. Der Pichler braucht den Platz. Er muss immer auf der öffentlichen Straße verladen. Das ist ja kein Zustand. Das wird von gewissen Leuten und Medien aufgeschaukelt. Man soll uns einfach bauen lassen. Allerdings habe ich um ein Wirtschaftsgebäude angesucht, das bis auf ein gemauertes Tor in den Steinterrassen versteckt ist. Da haben sie mir nur 50 statt 90 Quadratmeter genehmigt, obwohl man überhaupt nichts davon sieht", meint ein weiterer Loibener.

"Wenn der Pichler etwas macht, dann hat der sicher so viel Geschmack, dass er den Bau gut gestaltet oder zumindest kaschiert, vielleicht hinter Bäumen versteckt", überlegt ein Passant.

Streit

"Die ganze Diskussion ist nicht günstig für uns: Die neuen Gedesag-Wohnbauten sind nur wegen der Streiterei ums Bauen umgeplant worden und haben Flachdächer bekommen - das haben wir jetzt davon", schimpft ein Mann.

Winzer Martin Fink aus Unterloiben bleibt pragmatisch: "Wenn das Projekt rechtlich genehmigt ist, ist es für mich auch in Ordnung. Wofür gibt es denn Fachleute, die so etwas vorher begutachten?"