Geriatriezentrum St. Andrä bei Herzogenburg wird geschlossen.

© Julia Schrenk

Chronik Niederösterreich
12/06/2014

Die Jagd nach Asyl-Quartieren

Bald 2000 Flüchtlinge in Traiskirchen. Auf der Suche nach Unterkünften nutzt das Land jetzt jede Möglichkeit.

von Matthias Hofer

Der KURIER-Bericht, wonach das Land ein größeres Zentrum für minderjährige Flüchtlinge im nö. Zentralraum plant, hat hohe Wellen geschlagen. Noch wollen die Verantwortlichen den genauen Standort nicht preisgeben – die dadurch ausgelöste Unruhe behindere finale Verhandlungen, wird argumentiert. Eben jene Zurückhaltung alarmiert aber nun zahlreiche Gemeindepolitiker in den infrage kommenden Regionen. So etwa in Herzogenburg.

FPÖ-Stadtrat Wolfgang Schatzl hat eine Anfrage an das Büro der zuständigen Landesrätin Elisabeth Kaufmann-Bruckberger gestellt. Er wollte wissen, ob seine Gemeinde als Standort für das Zentrum im Gespräch sei. Hintergrund: In St. Andrä an der Traisen, unweit von Herzogenburg, betreibt die Stadt Wien ein Geriatriezentrum. „Das wird 2015 geschlossen“, weiß Schatzl. Bisher habe die Stadtführung versichert, das erst vor kurzem renovierte Gebäude stehe für Flüchtlingsunterbringung nicht zur Verfügung.

Beim Land wollte man Schatzl zum geplanten Standort keine Auskunft erteilen. KURIER-Recherchen haben aber ergeben, dass St. Andrä bisher keine Option für das Flüchtlingszentrum ist.

Allerdings ist nun das Interesse am Objekt geweckt: „Wir haben aktuell 700 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Traiskirchen. Insgesamt sind fast 1800 Menschen im Erstaufnahmezentrum. Und die Tendenz geht in Richtung 2000“, sagt der Bürochef der Landesrätin, Hermann Priller. In dieser dramatischen Situation nehme man jede Option möglicher Quartiere ernst. Der Druck im Erstaufnahmezentrum sei unermesslich. „Wir werden also auch in Herzogenburg schauen, ob sich das Objekt für unsere Zwecke eignet“, sagt Priller. Der Auftrag zur Prüfung sei bereits an die Fachabteilung ergangen.
ÄngsteDen schwarzen Peter will sich Wolfgang Schatzl jetzt nicht zuschieben lassen. „Wir nehmen die Ängste der Bevölkerung sehr ernst und deshalb habe ich beim Land angefragt“, argumentiert der FPÖ-Politiker. In seinen Augen ist das eigentlich Aufgabe des Bürgermeisters. „Aber ich erinnere mich an eine Aussage von ihm bei einer Weihnachtsfeier im Geriatriezentrum, dass der Gedanke, Flüchtlinge bei uns unterzubringen, nur einem kranken Hirn entstammen kann“, sagt Schatzl. „Ist damit jeder, der sich Sorgen macht, automatisch hirnkrank?“

„Schönes Erlebnis“

Ob und wann in St. Andrä Flüchtlinge untergebracht werden, steht allerdings noch nicht fest. Die Herzogenburger Stadtführung wurde diesbezüglich jedenfalls noch nicht kontaktiert.

Büroleiter Priller meint aber: „Bei unserer täglichen und nicht einfachen Suche nach Quartieren war das ein schönes Erlebnis. Wir sind wieder auf eine mögliche Unterkunft für Kriegsflüchtlinge gestoßen.“

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