Chronik | Niederösterreich
17.02.2018

Deutsch-Offensive in NÖ für mehr als 2000 Schüler

60 Förderlehrer sollen auch sicherstellen, dass Sprachmängel nicht den Unterricht für alle bremsen.

Der Ankündigung der ÖVP, in Niederösterreich verpflichtende Deutschklassen einführen zu wollen, haftete noch im Jänner der Ruf eines (Vor-)Wahlkampfgags an. Nach den Semesterferien steht nun aber fest: Die Deutschklassen laufen. Der Schwerpunkt des Bedarfs liegt im Industrieviertel.

Betroffen sind vor allem Schulen mit mehr als 15 Prozent an Kindern, die die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen, um dem Unterricht folgen zu können. Doch nicht nur ihnen soll geholfen werden: "Uns geht es auch darum, dass mangelnde Sprachkenntnisse von Mitschülern nicht zum Nachteil für die niederösterreichischen Kinder werden, weil der Unterricht nachhinkt", sagt Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.

Aktuell erhalten an 80 verschiedenen Standorten insgesamt 2075 Schüler speziellen Deutschunterricht. Zum überwiegenden Teil erfolgt die Sprachförderung an Volksschulen (64 Standorte), dazu kommen noch 16 Neue Mittelschulen. 60 zusätzliche Lehrer sind landesweit insgesamt notwendig. Die Kosten für das Land werden sich auf rund drei Millionen Euro belaufen.

Regionen

Schwerpunkt der Deutschklassen-Offensive ist das Industrieviertel, wo der Bedarf am größten ist. Hier werden in 22 Schulen mehr als 1000 Kinder gefördert. Zum Vergleich: Im Mostviertel sind es 29 Standorte mit 488 Schülern, im Zentralraum 433 Schüler in 21 Schulen. Weit weniger Bedarf gibt es im Norden Niederösterreichs: Im Waldviertel führen nun sechs Schulen Deutschklassen (für 127 Schüler), im Weinviertel sind es lediglich zwei Standorte mit nur 20 Deutsch-Schülern.

Wie der neue Unterricht in der Praxis funktioniert, zeigt etwa ein Blick in die St. Pöltener Franz Jonas Volksschule. "Kinder, die aufgrund mangelnder Kenntnis der Unterrichtssprache außerordentlich geführt werden, werden von den Lehrerinnen aus dem Unterricht geholt", erzählt Direktorin Ingrid Rehak. "Bei einer Gruppenstärke zwischen sieben und neun Kindern ist es dann möglich, auf den jeweiligen Sprachstand einzugehen." Deutschlehrerin Natalie Aeychouh war in der Schule bereits drei Semester in der Nachmittagsbetreuung tätig. Die gebürtige St. Pöltenerin hat ihr Lehramtsstudium 2016 abgeschlossen. Seit vergangenen Freitag besucht sie eine Fortbildungsreihe für Sprachförderlehrer und steht in ständigem Kontakt mit den jeweiligen Klassenlehrern. Ihr Konzept: "Die Kinder sollen ihren Wortschatz erweitern und wichtige Phrasen grammatikalisch richtig formulieren. Und sie sollen Freude am Erlernen der Sprache haben."

Johanna Mikl-Leitner ist überzeugt: "Unsere Deutschklassen-Offensive ist eine Win-win-Situation für alle Kinder und auch für die Lehrenden."