Dem Land gehen die Facharbeiter aus

Immer weniger Junge entscheiden sich für die Lehre. Eine Imagekorrektur soll helfen, die Situation zu entschärfen.

Die Situation ist widersprüchlich. Wir haben zwar ausgezeichnete Wirtschaftsdaten, aber der Facharbeitermangel begrenzt diese Entwicklung." Landeshauptmann Erwin Pröll scharte am Donnerstag Experten um sich, um die aktuelle Lage am Lehrstellenmarkt zu diskutieren.

Dabei zeigte sich, dass vor allem im Waldviertel der sprichwörtliche Hut brennt. "Die Waldviertler Unternehmen suchen insgesamt rund 500 Facharbeiter", beschrieb Pröll die Situation. Darauf will das Land jetzt kurzfristig reagieren. Bereits vorhandene Insolvenz-Stiftungen - wie aktuell jene der Tullner Druckerei Goldmann - sollen Arbeitskräfte entsprechend ausbilden und umschulen. "Wir wollen auch Weiterbildungen so ausrichten, dass wir punktgenau für diesen Bedarf im Waldviertel anbieten können", so Pröll.

Image

Langfristig soll eine Imagepolitur helfen, die Lehre stärker als Alternative zu höheren Schulen und Studium zu betonen.

"Heute heißt es oft: ,Wennst nicht g'scheit lernst, musst eine Lehr' machen.' Das ist sicher der falsche Weg", sagt der Leiter des AMS NÖ, Karl Fakler. Und Sonja Zwazl, Präsidentin der Wirtschaftskammer NÖ, betont: "Wer so tut, als würden unsere Betriebe für ihr Wachstum ausschließlich Akademiker oder Maturanten brauchen, der irrt."

Pröll will an der Schnittstelle von Schule und Wirtschaft ansetzen. Beginnen wolle man bereits im Kindergarten, um möglichst früh Neigungen der Kinder zu orten. Weiters sei geplant, die Schulprofile in den Regionen stärker an den Bedürfnissen der Wirtschaft zu orientieren. Überhaupt will Pröll den Dialog zwischen Schule und Wirtschaft intensivieren: "Die Unternehmen sollen die Schulen besuchen und umgekehrt auch die Schulen die Unternehmen."

Grundkenntnisse

Die Unternehmer beklagten am Donnerstag vor allem die Qualität der Bewerber um eine Lehrstelle. Das Niveau beim Lesen, Schreiben und Rechnen sei spürbar gesunken. Die Beschäftigung mit Computern habe das Basteln verdrängt, was das handwerkliche Geschick schmälere.

"Das Schulwesen hat sich ein wenig von der Grundstruktur des Lernens entfernt. Jetzt geht es darum, wieder stärker auf die Grundbedürfnisse Lesen, Schreiben, Rechnen und Lernen lernen einzugehen", sieht Pröll die Lehrerschaft gefordert.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011