Das große Zittern nach der Wahl

Die ÖVP hat viele Grundmandate verloren – Bezirkskaiser rittern um Einzug in den Landtag.

Die Wahl ist geschlagen, doch noch sind viele Entscheidungen ausständig. In einigen Bezirken die Auszählung der Vorzugsstimmen noch im Gange, Ergebnisse sind oft erst für heute zu erwarten. Von diesen Stimmen hängt aber ab, wer als Mandatar in den Landtag einzieht. Im Bezirk Baden war das eine spannende Frage, denn die ÖVP hatte dort mit einem Ergebnis von 42,88 Prozent das zweite Grundmandat verloren. „Das schmerzt natürlich sehr. Nun hängt es von den Vorzugsstimmen ab“, sagte Bezirksparteiobmann Christoph Kainz am Montag. Die Auszählung lag am späten Abend vor: Kainz erhielt 4085 Vorzugsstimmen und fährt in den Landtag. 3058 Stimmen nutzten dem bisherige VP-Abgeordnete Josef Balber aus Altenmarkt nichts.

Nicht nur in Baden, auch im Bezirk Wien-Umgebung muss die ÖVP den Verlust des zweiten Grundmandats hinnehmen. Hier könnte es für den Klosterneuburger Stadtrat Willi Eigner eng werden: Er wurde vom Bezirksobmann Lukas Mandl aus Gerasdorf überholt und muss jetzt auf die Entscheidung des Parteivorstands warten, um sein Mandat als Kandidat des Wirtschaftsbunds vielleicht doch noch zu verlängern. Mandl konnte 4201 Vorzugsstimmen auf sich vereinigen und hat sein Mandat sicher, Eigner erhielt 3541 persönliche Stimmen.

Taktik

Auch wenn die Angelegenheit nur mehr als Formsache gilt, muss auch VP-Klubobmann Klaus Schneeberger noch auf den fixen Einzug in den Landtag noch warten. Und zwar so lange, bis die Vorzugsstimmen in seinem Wahlkreis im Bezirk Wiener Neustadt ausgezählt sind. Schneeberger hat aus taktischen Gründen auf sein fixes Mandat über die Landesliste verzichtet und ist in seiner Region um Vorzugsstimmen „gelaufen“. Die ÖVP hat im Bezirk durch das Wahlergebnis wieder zwei Grundmandate erreicht. Es ist davon auszugehen, dass Schneeberger und der zweite Abgeordnete, Franz Rennhofer, auch dieses Mal wieder Vorzugsstimmen-Kaiser sind.

Sesselrücken

Besonders groß war gestern die Anspannung in ÖVP-Kreisen im Bezirk Amstetten, wo bei der Bezirkswahlbehörde den ganzen Tag über die Namensstimmzettel ausgewertet wurden. Obwohl es einen intensiven Persönlichkeitswahlkampf innerhalb der ÖVP gab, ging eines der drei Grundmandate verloren. Genau 767 Stimmen fehlten, beklagte Bezirksobmann Johann Heuras. Damit begann bei den drei bisherigen Abgeordneten Michaela Hinterholzer, Andreas Pum und Anton Kasser das große Zittern. Zwar war durchgesickert, dass Hinterholzer mit Abstand die meisten „Persönlichen“ bekommen hat. Wer als Nummer zwei in den Landtag einziehen wird, stand gestern noch nicht fest.

Im Bezirk Horn ging das einzige Grundmandat verloren, bedauert ÖVP-Landtagsabgeordneter und Horns Bürgermeister, Jürgen Maier: „2008 war es nur mit drei Stimmen abgesichert. Diesmal fehlten 590 Stimmen.“ Jetzt muss Maier hoffen, über die ÖVP-Landesliste einzuziehen. Mit 5550 Vorzugsstimmen seien seine Chancen durchaus gut, sagt er.
Auch im Bezirk Krems dürfte eines der beiden Grundmandate verloren gegangen sein. Wer das Verbleibende besetzt, ist offen: die Vorzugsstimmen stehen noch nicht fest. Abgeordneter Josef Edlinger muss um seinen Sitz bangen.

Eine Zitterpartie gab es bis zum Schluss um das zweite Grundmandat im Bezirk Mistelbach. Schließlich gaben 62 Stimmen den Ausschlag und neben Manfred Schulz bleibt auch Kurt Hackl (5265 Vorzugsstimmen) im Landtag. „Es war eine sehr enge Partie“, sagt Hackl. Vorzugsstimmen-Resultate gab es bereits aus Scheibbs: Dort verteidigte der ÖVP-Abgeordnete Anton Erber die Nummer eins mit 2955 Vorzugsstimmen, vor der Bauernbündlerin Christiana Eppensteiner mit 2204 persönlichen Stimmen. SPÖ-Spitzenkandidat Josef Leitner brachte es im Heimatbezirk auf 2099, sein Klubobmann Günther Leichtfried auf 1103 Vorzugsstimmen. Im Bezirk Lilienfeld fiel das Ergebnis für ÖVP-Abgeordneten Karl Bader mit 2067 Vorzugsstimmen besser aus als 2008. Sein Parteikollege, Bürgermeister Herbert Schrittwieser brachte es auf 365 persönliche Stimmen.

( Kurier ) Erstellt am 04.03.2013