Das G’riss um die Pendler-Parkplätze

Dass nicht alle, die parken, auch Bahn fahren, verärgert ÖBB-Kunden seit Jahren. Endlich wird jetzt reagiert.

Gute Nachrichten für Bahnpendler: Die ÖBB wollen dafür sorgen, dass ihre Kunden leichter als bisher einen Parkplatz finden. In Krems testen sie in einem Modellversuch, wie sich Zufahrtsbeschränkungen für ein Park-&-Ride-Parkdeck durchziehen lassen. Denn wie in Krems schnappen auch anderswo Anrainer und Einkaufsbummler Pendlern die Abstellmöglichkeiten weg. "Krems ist ein Pilotprojekt, das Erkenntnisse über einen möglichen weiteren Einsatz derartiger oder ähnlicher Anlagen bringen soll und wird", sagt Bahnsprecher Christopher Seif. Seit Anfang April gibt es einen Schranken. Die 541 Stellplätze sind nur noch für Bahnkunden zugänglich. Im Normalfall kostenlos. Zeitkarten-Besitzer erhalten einen Ausfahrtschip. Inhaber einer Tageskarte müssen einen Ausfahrtsschein lösen. Außerhalb der Öffnungszeiten des Bahnschalters zahlen sie fünf Euro für 24 Stunden Nutzung. Den Betrag kann man bei der Bürgerservicestelle der Stadt Krems zurückholen – aber nur mit Ticket und Parkzettel.

"Schade, aber ich kann verstehen, dass Pendler bevorzugt werden", sagt Johann Kollmayer, der das Parkdeck regelmäßig nutzt, wenn er in die Innenstadt geht. "Es liegt so günstig, wenn man in der Stadt zu tun hat", seufzt Martin Wellert, der Ärzte besucht.

Ähnlich in der Anlage in Korneuburg, die 505 Stellplätze bietet: "Die Anlage ist immer bis auf den letzten Platz gefüllt", klagt Pensionistin Hilde Scheller aus Niederfellabrunn, die im Parkdeck beim Bahnhof ihre Runden dreht. Was sie nicht versteht: Dass es trotz Videoüberwachung nicht gelingt, Fremdparker draußen zu halten. "Das ginge doch mit Besitzstörungsklagen ganz einfach", findet sie. Ähnlich sieht Patrick Süß aus Spillern die Situation in Korneuburg: "Man findet prinzipiell keinen Platz. Ich schätze, dass die Hälfte Fremdparker sind, Leute die zu Gericht gehen oder in der Stadt arbeiten."

Entspannt hat sich die Lage in Wiener Neustadt. Für 12,5 Millionen Euro wurde ein zweites Parkdeck mit Schranken errichtet. Ein Bahnticket gilt schon als Einfahrtsschein.

Auch in St. Pölten (1045 Plätze) nutzen viele Nicht-Bahnfahrer die Park-&-Ride-Anlage in Zentrumsnähe. Doch die ÖBB errichten demnächst ein zweites Parkdeck statt des alten Postgebäudes beim Bahnhof.

( Kurier ) Erstellt am 18.04.2012