Erschütterung Vorzeigejäger, guter Nachbar, Freund – Wilderer, Brandstifter, Mörder: Die bizarre Welt des Alois Huber.

© Paul Plutsch

Schockierend
09/22/2013

Das Doppelleben des Alois Huber

Der unscheinbare Unternehmer und Jäger von nebenan als Vierfach-Mörder.

von Wolfgang Atzenhofer, Julia Schrenk, Johannes Weichhart

Wie konnte ein liebenswerter Nachbar und Freund unbemerkt ein zweites Leben voller Brutalität führen?

Das ist die Frage, die sich Freunde, Bekannte und Nachbarn des 55-jährigen Alois Huber stellen.

In der Nacht auf Dienstag ermordete Huber in der Nähe von Annaberg vier Menschen mit Gewehrschüssen. Seitdem verfallen seine Bekannten in Großpriel und seine Angehörigen von Tag zu Tag mehr in eine Schockstarre. Niemand kann sich erklären, warum und wie Huber ein zweites Leben als Wilderer, Plünderer, Brandstifter und letztendlich auch als Mörder führen konnte.

Vorwürfe

Dazu weiß auch sein bester Freund, der pensionierte Unternehmer Herbert Huthansl aus Schallaburg, keine Antwort. Bei ihm legte Huber, wie berichtet, Dienstagfrüh per Handy eine Art Beichte über die schwer kriminelle Seite seines Lebens ab. „Ich mache mir selbst Vorwürfe darüber, dass ich nicht erkannt habe, wie es um ihn steht. Jetzt gibt es vier Tote. So etwas konnte ich nicht einmal erahnen“, sagt Huthansl. Am Dienstag, noch während die Cobra die Erstürmung von Hubers Haus vorbereite, in dem sich der Attentäter verschanzt gehalten hatte, grübelten seine Bekannten im benachbarten Kollapriel, welcher Mensch denn da unter ihnen gelebt hat.

Sie sinnierten über einem, gut 50 Jahre altem Kindheitsfoto, das Hubers Jagdnachbar Alois Lagler mitgebracht hatte. Das Bild zeigt einen etwas abweisend zur Seite gedrehten Buben. „Wenn man will, war er so auch im weiteren Leben“, sagt Lagler.

Diese Ansicht teilt auch Jägerkollege und Nachbar Karl Kaltenbrunner aus Klauspriel. „Man könnte als Nachbar wirklich nichts Böses über ihn sagen. Der Lois hatte seine eigene Art. Er war freundlich. Richtig auf einen eingegangen ist er aber nur, wenn er das wollte. Sonst war er sehr zurückhaltend. Dass man so etwas überhaupt verbergen kann, ist mir unbegreiflich“, sagt Kaltenbrunner. Ihm machen Licht und Finsternis im Jägerleben des Alois Huber zu schaffen. „Der Lois war kein Schießer, er war ein Heger. Und dann so etwas.“

Dass ein Vorzeigejäger, wie Huber, der mit dem Bezirksjägermeister ein Revier gepachtet hatte, fähig war, beste Hirsche und möglicherweise auch Braunbären niederzuknallen, nur der Trophäen und des Tötens willen, ist ihm unbegreiflich.

Kopfschütteln herrscht auch bei jenen, die Huber Arbeit beschafften. „Ich hätte ihn in meiner Wohnung schlafen lassen, wenn er das gewollt hätte“, sagt ein Loosdorfer Unternehmer, der oft auf die Dienste des 55-Jährigen angewiesen war.

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Hilfsbereitschaft für die Opfer

Beim Gedenkgottesdienst in Annaberg für die getöteten Polizisten Johann Ecker, Manfred Daurer, Roman B. und den Rettungssanitäter Johann Dorfwirth am Freitagvormittag waren zwei Witwen nicht dabei. Die Frauen waren weder psychisch noch physisch in der Lage, diese berührende Andacht von Polizei und Rotem Kreuz durchzustehen. Und das Schlimmste kommt erst: Nämlich das Begräbnis.

Für die Zukunftsplanung der insgesamt sechs hinterbliebenen Kinder fehlt da noch die Kraft und die Zeit. Hier setzt aber die große Hilfsaktion des Kuratoriums Sicheres Österreich (KSÖ) und des KURIER an. Diese Aktion ist bereits vom Start weg auf äußerst breite Resonanz gestoßen. Bundespräsident Heinz Fischer, die gesamte Bundesregierung und der Landeshauptmann von Niederösterreich, Erwin Pröll, begrüßen diese Initiative.

Schon in den ersten Tagen haben spontan zahlreiche private Spender und Großspender Spendenzusagen abgegeben. Zuletzt stellte sich Rudolf Leeb von der Bawag im Auftrag von Generaldirektor Byron Haynes mit einem namhaften Betrag ein.

Lebenssituation

Über den Einsatz der Mittel muss im Detail noch entschieden werden. Die Witwen sind noch nicht in der Lage, eine exakte Analyse über ihre Lebenssituation abzugeben. Von Kollegen und Polizei-Gewerkschaftern ist aber zu erfahren, dass sie teilweise vor dramatischen Herausforderungen stehen. In einem Fall sind Schulden nach einem Hausumbau zu bewältigen. In einem anderen Fall geht es um den Erhalt einer Kleinlandwirtschaft.

Dazu kommen sechs Kinder im Alter zwischen sechs und 19 Jahren. Für KSÖ-Präsident Erwin Hameseder steht vor allem das Schicksal dieser Kinder im Vordergrund. Diesen Kindern und Jugendlichen, so Hameseder, gelte es, ihren Weg zum Erwachsenwerden zu erleichtern. Keines der Kinder soll wegen Geldmangels etwa auf eine gute Ausbildung verzichten müssen.
Über die Spendenmittel wacht ein Notar. Die weitere Vorgangsweise des KSÖ wird beratend vom Roten Kreuz unterstützt, das mit seinen Kriseninterventionsteams den besten Einblick in die Situation der Familien hat. Die Mittel sollen dann entsprechend der jeweiligen Situation der Familien gerecht und fair aufgeteilt werden.

Nachhaltigkeit

Karl Fiala begrüßt vor allem die vom KSÖ geplante Aktion. Er hat Erfahrung mit Beamten und deren Angehörigen, die im Dienst verletzt oder getötet wurden. Und er weiß: Viele würden es nicht schaffen, aus eigener Kraft durchzukommen. Denn Karl Fiala ist Präsident der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Exekutive Niederösterreichs.

Diese Gesellschaft wurde gegründet, nachdem im Jahre 1973 der Gewaltverbrecher Ernst Dostal drei Kriminalbeamte mit Schüssen schwerst verletzt hatte. Die Freunde und Förderer unterstützen Kollegen auch dann noch, wenn diese beispielsweise wegen Invalidität längst aus dem Dienst ausgeschieden sind.

Ein Beispiel dafür ist der Beamte Ottokar Pücher, der damals als 38-Jähriger von Dostal schwerst verletzt wurde. Er verbrachte den Rest seines Lebens querschnittgelähmt im Rollstuhl und konnte sich nur noch mit Augenrollen verständigen. Das Einzige, die er ohne Hilfe tun konnte, war Lesen.

Das war die Geburtsstunde der Freunde und Förderer. Handwerklich begabte Polizisten bauten das Haus Püchers behindertengerecht um. Es wurde begonnen, Geld zu sammeln. Mit den Spenden wurde die Betreuung bis zu seinem Ableben vor etwa einem Jahr aufrechterhalten. Seine Witwe bekommt weiterhin Unterstützung, denn deren materielle Situation ist nach wie vor höchst bescheiden.

Einzelgänger, Parade-Jäger und trauernder Witwer

Alois Huber, der Wilderer, kannte die Reviere im Alpenvorland wie seine Westentasche. Mit seinem Lkw war er zumeist in den Bezirken Lilienfeld und Melk unterwegs. Er brachte im Auftrag der Jagdpächter Futter für die Tiere.

„Alleine bei uns wurden zehn Hirsche erlegt“, berichtet Franz Scheibenreif, Forstdirektor des Stiftes Lilienfeld. Zunächst dachte man an einen Wilderer, der Jagdpächtern eins auswischen wollte. Ein großer Irrtum.

Zuletzt fühlte sich Huber von der Polizei in die Enge getrieben. Anmerken ließ er sich das selten. „Am Samstag vor der Bluttat habe ich ihn bei einer Tanzveranstaltung im Bezirk Melk gesehen. Er war ganz normal und gut drauf“, erzählt ein Ballgast.

„Zwei Seelen“

Jetzt, im Nachhinein, interpretieren sein bester Freund Herbert Huthansl und andere auch die abgöttische Liebe zu seiner Schäferhündin Burgi als eher abnormal. Das Tier war für ihn alles. Mehrfach hatte er es um teures Geld operieren lassen. Außerdem trug die Hündin eine Kette, die der 1995 verstorbenen Frau Hubers gehörte.

Im Tod der geliebten Partnerin sehen Freunde und Nachbarn den Ursprung der schweren Persönlichkeitsstörung des Todesschützen. Für die Urne der Frau baute er im Garten des Hauses eine Kapelle. Dort soll er laut Huthansl auch besinnliche Minuten verbracht haben.

Weniger Verständnis hatte der Freund, dass Huber in seinem Haus an seinem früheren Leben festhielt. Die Pantoffeln seiner Frau stehen immer noch dort, wo sie damals standen. Schmuck befindet sich im Bad noch immer an derselben Stelle, und ihr Bett hat noch den Bezug von damals.

„Schmeiß weg das Zeug, damit du etwas Neues beginnen kann“, sagte Huthansl zu ihm. Huber wollte nicht. Vielleicht werde er alles einmal in einer Schachtel aufbewahren, hatte er gemeint.

Mit einer Frau, die für ihn putzte, wollte Huber keine intensivere Beziehung. Zur eigenen Familie hatte er jegliche Kontakte abgebrochen, sagte seine Schwester gegenüber ORF-NÖ.

Zorn

Huthansls Analyse: „Ich glaube, immer wenn ihm etwas nicht gepasst hat, ihn etwas zornig gemacht hat,ist er in der Nacht losgezogen und hat sich abreagiert.“ Wenn Huber jedes Wochenende beim Freund zu Mittag aß, wenn sie gemeinsam Autorennen im Fernsehen ansahen oder eine Motorradtour machten, verhielt sich der spätere Amokläufer völlig normal. Nur einmal, vor Kurzem, klagte der Einzelgänger dem Freund: „I bin schizophren ... , so geht’s nicht weiter, es muss sich was ändern“.

Nach außen waren der Hund, die Jagd, der Fuhrwerksbetrieb und zur Entspannung Motorsport sein Leben. Massenansammlungen, etwa der Vorschlag Huthansls zum Harley-Treffen nach Kärnten zu fahren, waren für ihn ein Gräuel. Huthansl: „Ein Einzelgänger durch und durch.“

Auch Edith Wieder, Nachbarin aus Kollapriel, kann nicht fassen, dass Huber zu so einer Tat fähig war: „Er galt als sensibel und verständnisvoll. Man konnte gut mit ihm reden“, sagt Wieder. „Offenbar wohnten zwei Seelen in seiner Brust.“ Unverständnis herrscht bei den Mitgliedern des Schützenvereins, dem auch „der Huber Lois“ angehörte. „Da ist er immer gesessen“, sagt ein Miglied des Vereins und zeigt auf den Esstisch im Vereinshaus. „Und nix hat man ihm angemerkt. Jahrelang hat er uns was vorgemacht.“ Hubers Hund Burgi ist immer daneben auf der Matratze gelegen. Die hat man jetzt weggeräumt.

Psychiater Haller über das wahre "Ich" des Vierfachmörders

Alois Huber hinterlässt viel Trauer, aber auch ein Puzzlespiel. Wie tickte der Vierfachmörder? War er geisteskrank? Reinhard Haller, einer der renommiertesten Gerichtspsychiater Österreichs, zeichnet anhand der Fakten, Beschreibungen und „der Sprache seiner Verbrechen“ das Profil einer höchst problematischen Persönlichkeit, die sich jahrelang mit einer bürgerlichen Fassade tarnte.

KURIER: Beschreiben Sie in aller Kürze die Persönlichkeit des Vierfachmörders?

Reinhard Haller: Er war innerlich hoch aggressiv, querulatorisch, asozial und narzisstisch, und nur äußerlich angepasst und sozial verträglich.

Tagsüber also der Jäger und Heger, nachts der Wilderer. Wieso erstaunt das Doppelleben des Mörders so viele?

Das ist nichts Besonderes. Das Besondere ist, dass ihm niemand draufgekommen ist. Meine Interpretation ist: Er hat eine aggressive, asoziale Persönlichkeitsstörung. Er hatte viel kriminelle Energie, hielt sich nicht an Recht und Ordnung. In unserer Gesellschaft muss man die böse Seite verbergen. Man legt sich eine zweite Fassade zu, jene des Biedermanns. Das war nicht sein wahres „Ich“. Es ist ihm nicht gelungen, den Dampfkessel zuzuhalten. Das aggressive „Ich“ ist oft ausgebrochen.

Seine Entschlossenheit zeigt, dass er seine Exit-Strategie geplant hatte. Warum ließ er sich nicht einfach festnehmen?

Man darf nicht das Wildern als das Primäre sehen. Natürlich hat er gewildert. Aber das Wildern hat einen Ausdruck der Freiheit gehabt, des Kampfes gegen die Jäger und Obrigkeit, ein Machtgefühl ausgelöst. Er wollte der Schlauere, der Überlegene sein, jener, der sich die Trophäe, also den Kopf des Tieres holt. Und dazu hat der Gedanke gehört: Ihr werdet mich nie erwischen. Deshalb hat er sich so den Weg freigeschossen. Das ging so weit, dass er vor seinem Suizid Feuer gelegt hat. Er wollte sagen: Meinen Feinden lasse ich nichts, auch nicht meinen Hund (Anm. den er erschossen hat). Das hat hohe Symbolkraft.

Aus den Biografien bekannter Mörder weiß man, dass sie zuerst Tiere und dann Menschen getötet haben. Das trifft auch beim Vierfachmörder zu.

Ich glaube nicht, dass das ausschlaggebend war. Dass bei Jägern oder Menschen, die Erfahrung damit haben, die Tötungsschwelle niedriger ist, liegt auf der Hand.

Ein Freund erzählte in einem Interview, dass sich der Täter als schizophren bezeichnet hat. Ist das realistisch?

Das wird oft als ein Ausdruck verwendet: Ich habe zwei Seiten, zwei Gesichter. Ich glaube nicht, dass er schizophren war. Schizophrenie ist ein schwerer, chronischer Prozess, den man kaum verbergen kann. Damit hätte er kaum so viele Delikte verüben können und wäre früher aufgefallen.

Warum heißt es reflexartig, der Mann sei „krank“ gewesen?

Das ist eine Art Schutzmechanismus und weit verbreitet: Wir nehmen uns damit selbst die Angst, in dem wir sagen, der Täter muss krank sein. Das ist natürlich falsch.

Verständlich. Es ist doch beunruhigend: Er hatte zwar eine gestörte Persönlichkeit, war aber offenbar geistig gesund. Vermutlich gibt es viele solcher tickenden Zeitbomben.

Das ist es auf jeden Fall. Es gibt sicher noch einige Menschen, die solche Taten begehen können. Das ist gar keine Frage. Das FBI hat bekannt gegeben, dass weltweit 130 Serienmörder herumlaufen. Dass es viel, viel mehr mögliche Verbrecher gibt, das ist eine Tatsache. Dass man sie schwer erkennen kann, ist ebenso eine. Was mich besonders beunruhigt ist, dass wir in Österreich eine nicht mehr zufällige Anzahl von Kellerverliesen haben. Das gab es beim Priklopil, beim Fritzl und jetzt. Das gibt es in anderen Ländern nicht.

Ihre Erklärung dazu?

Ich hab’ keine. Ich weiß nicht, warum man diese verborgenen Festungen baut.

Im Sicherheitsdiskurs ist das Thema Terrorismus bestimmend. Es tötete aber kein Terrorist, sondern es war jemand aus der Mitte der Gesellschaft. Haben wir einen falschen Gefahrenbegriff?

Das glaube ich schon. Die Gefahr eines Terroranschlags ist minimal und beunruhigt uns sehr. Die Gefahr, dass man in einer nahen Situation getötet wird, ist wahrscheinlicher, beunruhigt uns aber nicht. Wir glauben einfach nicht, dass das ganz normale Böse auch in ganz normalen Menschen von nebenan steckt. In der Regel lauert die Gefahr in der Nähe. Von durchschnittlich hundert Morden in Österreich sind zwei Drittel Beziehungsdelikte im nächsten Umfeld. Deshalb müsste man Gefahr anders sehen.

Prof. Dr. Reinhard Haller ist Psychiater und Psychotherapeut, Chefarzt des Suchtzentrums Maria Ebene in Feldkirch, Gutachter und Buchautor (Die Seele des Verbrechers“, „Das ganz normale Böse“).

Cobra-Chef: "Er hat im Hinterhalt gewartet"

Der Einsatz von Annaberg war der erste in der 35-jährigen Geschichte der Cobra, bei dem ein Beamter der Spezialeinheit den Tod fand. Dass ausgerechnet nach so einem tragischen Ereignis auch noch durch ein internes Mail Kritik an der Arbeit der Cobra laut wird, ist für den Chef der Sondereinheit, Generalmajor Walter Weninger, „wie ein Schlag ins Gesicht“.

Im KURIER-Interview spricht der hochrangige Offizier Klartext über die Geschehnisse an einem der schwärzesten Tage der Sondereinheit.

KURIER: Herr Generalmajor Weninger, in einem anonymen Mail ist davon die Rede, dass auf Grund von Sparmaßnahmen anstatt der vorgesehenen 13 Cobra-Beamten nur drei zum Einsatz gekommen sind. Auch die Ausrüstung sei veraltet. Stimmt das?

Walter Weninger: Zunächst einmal ist es tragisch, dass nach so einem bedauerlichen Ereignis solche anonymen Vorwürfe kursieren. Uns wird vorgeworfen zum Beispiel nur acht Nachtsicht-Optiken zu besitzen, wir haben aber fast die zehnfache Zahl. Gespart wird höchstens bei der Verwaltung.

Und was hat es mit den 13 Beamten auf sich?

Das ist ganz einfach. Die Ermittlungen in Annaberg wegen des Wilderers liefen schon 2011, zuerst kriminalpolizeilich. Man wusste von den abgetrennten Hirschköpfen. Als es dann eine Messerattacke auf einen Jäger gegeben hat, wurden wir hinzugezogen, weil man gemeint hat, das ist ein gefährlicher Bursche. 2012 zur Brunftzeit im Herbst sind daher 13 Beamte von uns zwei Monate lang jede Nacht auf der Lauer gelegen. Aber nichts ist passiert.

Und dann?

Heuer wurde die Taktik geändert. Wir haben uns mit dem nö. Landeskriminalamt, das den Akt hatte, auf eine Mischvariante abgestimmt. Wir haben uns mehr auf das Beobachten konzentriert und versucht, zunächst das Fahrzeug auszuforschen. Und zwar mit 13 Polizeibeamten und drei Leuten von der Cobra für den Fall eines Zugriffs. Es gab daher keine personellen Einsparungen.

Was ist dann Montagnacht geschehen?

Die Observierung lief seit Beginn der Hirschbrunft jede Nacht. Die Cobra ist mit Nachtsichtgeräten und einem mit Tarnnetz zugedeckten Wagen auf der Hirschwiese auf der Lauer gelegen und die anderen Streifen waren in der Umgebung. Dann hat man den verdächtigen Geländewagen mit gestohlenen Kennzeichen gesichtet.

Es kam zum ersten Kontakt bei der Straßensperre?

Genau, der Täter hat ein Polizeiauto gerammt, hat zurückgeschoben und es von der Straße gedrängt. Unsere drei Leute sind mit ihrem Auto nach und haben das Fluchtfahrzeug bei der Sägemühle versteckt vorgefunden. Sie sind taktisch entsprechend defensiv vorgegangen und haben zurückgeschoben und gewartet. In 99 Prozent der Fälle flüchtet der Täter. Sie haben alles eingehalten, was zu machen ist.

Dann ist es aber anders gekommen?

Der Täter ist zu Fuß auf die andere Straßenseite und hat sie sehr professionell und gezielt unter Beschuss genommen, anscheinend mit einer halbautomatischen Waffe. Der Wilderer stand im Dunkeln und unsere Leute unter dem Schein einer Laterne. Die Männer sind aus dem Auto und haben das Feuer mit Sturmgewehr und Pistole sofort erwidert, damit sich der Täter zurückziehen muss. Roman war links hinten und hat versucht eine gesicherte Position zu erlangen. Da ist er getroffen zu Boden gegangen. Die anderen mussten einerseits den Täter in Schach halten und andererseits ihren verletzten Kollegen in eine Deckung bringen.

Die Beamten hatten keine Schutzweste an, stimmt das?

Ja, leider. Sie sind durch die Abläufe vermutlich nicht mehr dazu gekommen sie anzulegen.

Dann kam es zur Tragödie mit dem Rettungsfahrer?

Die Kameraden wollten ihren schwerverletzten Mann so schnell wie möglich hinausbekommen. Sie sagten, er verblutet. An dem Treffpunkt weiter vorne sind zwei EGS-Beamte (Sonderausbildung, Anm.d.Red.) zur Sicherung in den Rettungswagen eingestiegen, einer vorne zum Fahrer.

Als sie losfahren wollten, kam plötzlich ein Schuss. Der Fahrer kippte tot zusammen. Als der zweite Schuss fiel, hat sich der Beamte – ein Ex-Cobra-Mann – bereits hinausfallen lassen. Die Schüsse wurden ganz gezielt angebracht.

Konnte man damit rechnen?

Nein, das war ein ganz atypisches Verhalten, völlig abseits der Norm. Er hat im Hinterhalt gewartet.

Hätte man anders vorgehen müssen?

Der Umstand, dass vier Menschen gestorben sind, ist ein Indikator dafür, dass nicht alles schulmäßig abgelaufen ist. Die Leute waren mit einer noch nie dagewesenen Extremsituation konfrontiert. Ich sehe es in meiner Verantwortung, die Abläufe nach einer Analyse zu optimieren. Die anderen Beamten sind mit Kopfschüssen getötet worden, da hätte auch die Schutzweste nichts geholfen.

Gefährlicher Job: Wenn auf Polizisten geschossen wird

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