Chronik | Niederösterreich
22.04.2012

Blicke hinter dicke Stiftsmauern

Seit 900 Jahren gibt es das Stift Herzogenburg. Zu seinem Jubiläum ist es (fast) fertig saniert. Seine Türen öffnen sich.

Die älteste Urkunde Niederösterreichs aus 998, Gemälde bekannter Künstler quer durch die Epochen, eine Münzsammlung, antike Globen und Bücher: Schätze verbergen sich seit Jahrhunderten hinter den Mauern des Stiftes Herzogenburg.

Seit gestern kann man sie in der Jubiläumsausstellung, mit der man das 900-jährige Bestehen des Stiftes feiert, besichtigen. Manches davon, aber nur in diesem einen speziellen Jahr. So etwa die Gründungsurkunde des Stiftes, die zu sehen "ganz besonders ist. Es gibt kaum ein Kloster, das die Gründungsurkunde noch hat, die wenigsten davon stellen sie öffentlich aus", erklärt Propst Maximilian Fürnsinn. Mit ihr beginnt auch die Ausst ellung. Denn die Exponate sollen dem Motto entsprechend die "Zeitzeugen der Ewigkeit" zeigen. In der großen Bibliothek sind Bücher aus jedem Jahrhundert eingeordnet. Ebenso ist auf einer Tafel das Geschirr des Stiftes, von Barock, über Biedermeier bis heute zu sehen.

Ein Brief von Martin Luther, der erst vor 20 Jahren im Archiv entdeckt wurde, ist eine ungewöhnliche Attraktion im katholischen Stift. "Seither sind wir auch ein Wallfahrtsort für Protestanten", sagt ein Chorherr.

Den Besucher werden Einblicke und wunderschöne Ausblicke geboten. Denn die Sanierung des Stifts ist bis auf die Stiftskirche abgeschlossen. Der barocke Prachtbau wurde um zehn Millionen Euro saniert. Schritt für Schritt seit dem Jahr 2000 – unter den gestrengen Augen der Denkmalschützer. Finanziell haben unter anderem Bund und Land unter die Arme gegriffen.

2008 wurde ein Besucherzentrum mit Klosterladen und Tourismusinformation eingerichtet. Auch eine Pilgerherberge öffnete ihre Türen. Menschen, die auf dem Jakobsweg unterwegs sind, nützen sie. Sie nehmen während ihres Aufenthalts auch am Leben der Chorherren teil. Dieses Jahr ist dieses turbulent. Denn mit der Eröffnung sind die Feiern nicht zu Ende. Das Programm füllt mehrere Seiten.