Bewerbungs-Check: Lass Dich anschauen

© Bild: KURIER/Boroviczeny

Zeig mir deinen Lebenslauf und ich sag' dir, was aus dir wird: Zwei Studierende ließen ihre Unterlagen von Profis checken - und aufmöbeln.

Jedes Mal, wenn du mit einem Bier in der Hand eine bestandene Prüfung feierst, kommst du ihm ein Stück näher: Dem Ende der Freiheit. Denn was viele, die ihr Studienende herbeisehnen, nicht bedenken: Mit dem Diplom in der Hand geht er erst richtig los, der Ernst des Lebens. In der unbarmherzigen Berufswelt von heute geht es ums Business. Studienanfänger sind Waren, die mit anderen konkurrieren. Und sich dazu möglichst gut verkaufen müssen. Der erste Schritt der Selbstvermarktung ist der Lebenslauf und das Bewerbungsschreiben.

Die Eintrittskarte

Das klingt staubig, ist aber gestern wie heute die Eintrittskarte in eine Welt, in der man Geld verdient ohne Flyer zu verteilen oder Fleischlaberl zu wenden. Und obwohl es heute bereits jede Menge Info über das Was, Wie und Wann der Bewerbung gibt - so richtig klappt die Sache bei den meisten Studierenden nun doch nicht. Grund genug, zwei Studierende zum Bewerbungs-Check zu laden und ihre Unterlagen einmal durch die Hände von professionellen Personalern gehen zu lassen. Ort der Beratung: Das nobel-modern designte Gebäude von Deloitte, einer der führenden Prüfungs- und Beratungsgesellschaften in Österreich.

Die beiden Bewerbungs-Checkerinnen: Domenika Haag und Giovanna Ferraris. Beraterinnen mit Erfahrung und dem Flair der großen Business-Welt. Die Bewerber präsentierten sich auf den ersten Blick äußerst unterschiedlich: Brav gescheitelt samt Anzug und Krawatten-Knoten der eine, wild gelockt und in Karo-Hosen die andere. Wer kommt besser an?

Zu kurz geraten?

Eva Panzl, Leonhard Pammer, Domenika Haag, Giovanna Ferraris, v. li. n. re.
© Bild: KURIER/Boroviczeny

Leonhard Pammer, der blond gescheitelte Jus-Student, präsentiert einen kurzen Lebenslauf. "Eine Drittel Seite. Kein Problem", so Giovanna Ferraris: "Mit 19 ist das noch völlig ok." Allerdings: Ein bisschen tricksen ist erlaubt. Ferraris: "Da kann man mit dem Layout arbeiten: etwas größere Schrift, etwas breiterer Seitenabstand, Kenntnisse untereinander schreiben." Aber: Zu auffällig darf die Sache nicht sein. Generelles Urteil: "Anzug sehr fesch, erwartet man von Studenten nicht. Und Achtung: Während des Gesprächs nicht mit dem Kuli klicken."

Eva Panzl, die Rotgelockte, ist BWL-Studentin in Graz. Sie hat - obwohl ebenfalls erst 19 Jahre alt - gleich drei Seiten Lebenslauf mitgebracht. "Zu lang. Maximal zwei", lautet das Urteil der Beraterinnen. Allerdings gefällt der Inhalt. "Praktikum im Kindergarten, sehr nett", so Haag. "Das zeugt von Engagement." Auch ein Ferialjob bei McDonald's ist vermerkt und wird positiv bewertet. Besonders punkten kann Eva mit einem Auslandsjahr in den USA, sowie Tätigkeiten in der Modell-UNO und der Angabe des Europäischen Sprachniveaus. Ihr Auftreten? "Sehr natürlich, spontan, engagiert", sagt Ferraris. Die legere Kleidung? "Absolut korrekt, da sie sehr gepflegt ist. Mit 19 darf man auch zeigen, dass man noch jung ist."

Detailgetreu

"Darf man also alles hineinschreiben?", fragt Leonhard Pammer (auf Suche nach einem längeren Lebenslauf?) nach. "Nein, nur das, was man in Bezug auf den Job für wichtig hält und argumentieren kann, wenn man zu einem Gespräch eingeladen wird", sagt Ferraris.

Eines aber, wünschen sich die Beraterinnen, sollte Jobanfänger bei aller Formenlehre in Sachen Bewerbung nicht vergessen. Haag: "Jeder Mensch ist individuell. Und das sollte auch der Lebenslauf widerspiegeln." Schablonen will niemand sehen.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Tipp

Erstellt am 05.12.2011