Chronik | Niederösterreich
11.04.2012

Bettler-Plage, die urbane Kehrseite

Bettler-Invasion in der City: Die Politik fordert Abhilfe. Die Polizei versucht, das Pflaster ungemütlich zu machen.

Bittehelfen, bittehelfen, bittehelfen“ ruft der eine gebetsmühlenartig, bis sich jemand mit einer Münze erbarmt. „Gutentaggutentaggutentag“ leiert zwei Häuser weiter ein Kollege, ein Dritter streckt in der Kremser Gasse stumm seinen Klumpfuß in den Passantenstrom. Schönwetter und Markttage locken Trupps von Bettlern großteils rumänischer Herkunft ins Herz von St. Pölten. So weit sie nicht aggressiv sind, kann sie auch die nö. Bettlerverordnung nicht vertreiben.

„Grundsätzlich ist das ja ein urbanes Problem“, meint Stadtmarketing-Geschäftsführer Matthias Weiländer, der üblicherweise um Urbanität für St. Pölten ringt. „Wenn wer wirklich in Not ist, hat ja niemand was gegen das Betteln. Aber ob das optische Erscheinungsbild günstig wirkt, ist die Frage.“

In der zuständigen Polizei-Inspektion Rathausplatz liefern sich die Beamten mit der Almosen-Brigade eine Art „Hase und Igel“-Spiel. „Die Rumänen versuchen jetzt, die Innenstadt in Beschlag zu nehmen und wir versuchen halt, das Bettlerunwesen, so gut es geht, einzudämmen“ erklärt Kommandant Werner Krückel. Mit Personenkontrollen und Vorladungen, aber auch mit Anzeigen etwa gegen bettelnde Mütter mit Kindern.

Lazarus-Efffekt

Organisierte Banden setzen gerne Invaliden ein. Dabei käme es auch zu wundersamen Lazarus-Effekten, wie Krückel berichtet: „Neulich hat so einer die Krücken weg geworfen, wie er uns gesehen hat und ist blitzartig davon gerannt. Wir konnten ihn nur einholen, weil ihn am Bahnhofplatz Rotlicht eingebremst hat.“

Der Bürgermeister dränge in der Polizeidirektion auf Kontrollen, weiß Rathausprecher Martin Koutny. „Das Thema ist immer eine Gratwanderung.“ Stadtvize Franz Gunacker weiß auch kein Patentrezept. „Ich seh schon ein, dass das großteils arme Teufel sind. Aber schön ist das nicht, wenn die ihre körperlichen Verunstaltungen herzeigen.“ Eine neue Kontroll-Variante steuert FPÖ-Mandatar Klaus Otzelberger bei: „Bettler sollten sich so wie die Straßenmusikanten im Rathaus anmelden müssen.“