Chronik | Niederösterreich
11.07.2013

Grundwasserspiegel stark gestiegen: Feriensiedlung versinkt im See

36 Häuser in einer Feriensiedlung in Berg sind geflutet. Dauerhafte Lösung derzeit nicht in Sicht.

Die lassen uns regelrecht absaufen.“ Margareta Knirsch und ihr Mann Felix sind verärgert. Zum fünften Mal seit 2002 ist ihr Feriendomizil am Schotterteich im Freizeitzentrum Berg im Bezirk Bruck/Leitha geflutet. Über 15 cm hoch steht das Wasser in ihrem Garten, in den Vorraum ist es bereits eingedrungen. Und es steigt weiter.

36 Häuser der Siedlung sind betroffen. Ursache ist der stark gestiegene Grundwasserspiegel in der burgenländisch-niederösterreichischen Grenzregion kombiniert mit dem starken Juni-Hochwasser. „Das Wasser steht derzeit 146 cm über dem Normalstand“, erklärt Vizebürgermeister Andreas Hammer (SPÖ).

2010 trat der kleine See das letzte Mal über die Ufer und zerstörte die Gärten der Anrainer. „Ich hab inzwischen bestimmt 300 Thujen gesetzt und wieder ausgegraben“, erzählt Knirsch. Auch das Ehepaar Winkler ist verzweifelt. „So schlimm wie heuer wars noch nie“, seufzt Kurt Winkler. Erst 2011 haben sie ihren Garten aufgedoppelt und saniert. Jetzt ist wieder alles zerstört. „Da nützen dir auch keine Sandsäcke“, sagt er. „Und bald fängt es zu stinken an.“ Beobachtungen aus den vergangenen Jahren würden zeigen, dass das Grundwasser 50 Tage lang steigt, erklärt Vizebürgermeister Hammer. „Jetzt sind wir bei Tag 33.“

Ursachenforschung

Die Faktoren für die Überflutung sind vielfältig. Laut Gutachten des Ingenieurhydrologen Alfred Paul Blaschke von der TU Wien im Auftrag des Landes Burgenland sei der Donauwasserspiegel durch das Kraftwerk Gabčíkovo in der Slowakei gehoben worden und daher das Grundwasser gestiegen. Gleichzeitig hätte es in den vergangenen zehn Jahren mehr Niederschläge gegeben. Das aktuelle Hochwasser hätte die Situation noch verschärft, so Blaschke. Derzeit erarbeitet er für das Burgenland mögliche Lösungen.

Eine Lösung wünschen sich auch die Anrainer in Berg. Bemühungen des Lebensministeriums hätten bis dato nichts gebracht, sagt Hammer. Er glaubt, dass sich die Lage auch durch den verbesserten Hochwasserschutz stromaufwärts an der Donau verschlimmert hat.

Beim Land NÖ hält man sich bedeckt. „Wir gehen davon aus, dass der Grundwasserspiegel innerhalb der natürlichen Schwankungsbreite liegt“, sagt Martin Angelmaier von der Abteilung Wasserwirtschaft. Das sei ein natürliches Phänomen. Laut der Messstelle Wolfsthal geht der Pegel bereits zurück. In drei Wochen könnte es in Berg wieder trocken sein.