Chronik | Niederösterreich
20.01.2012

Baulöwen jagen City-Großprojekte

Lengersdorff plant Kombizentrum mit Tiefgarage, Kasernenkäufer Eberhardt wird EKZ-Coup in der FuZo nachgesagt.

Ich würd‘ Sie nur bitten, noch nicht zu viel zu schreiben“, ersucht Michael Rieder, Partner von Immobilienentwickler Peter Nikolaus Lengersdorff. In St. Pölten muss erst der Bürgermeister alles wissen, bevor die Druckerschwärze trocknen darf. Immerhin geht es um ein innerstädtisches Schlüsselprojekt. Auf dem Gelände des ehemaligen Wallner-Areals (hinterm Karmeliterhof) soll um eine „wesentlich im zweistelligen Bereich angesiedelte Millionensumme “ ein kombiniertes Zentrum mit Wohnungen, Büros und ebenerdigen Geschäften errichtet werden.

Drei Bau-Varianten sind auf dem von der Stadt gekauften Grund aufgelegt und man rechnet mit fünf Jahren Bauzeit. „Wir sind bemüht, möglichst viele Parkplätze zur Verfügung zu stellen“ heißt es. 400 und die unterirdisch in einer Tiefgarage. Rieder: „Ein Parkdeck in dieser Lage wäre ja ein Schandfleck.“

Schwierig

Nicht verhehlt wird, dass es sich um eine „schwierige Baustelle“ handle. Der Denkmalschutz rundum lasse nicht allzu große gestalterische Freiheit zu. Immo-Tycoon Lengersdorff, in Wien mit Stadtbüro ausgestattet und in der St. Pöltener Gesellschaft bestens eingeführt, baut auch andernorts in der City: Am Gelände der ehemaligen Gebietskrankenkasse hat er die Landesdirektion der Wr. Städtischen-Versicherung eingefädelt.

Bürgermeister Matthias Stadler jubelt über 1,5 Milliarden Euro, die heuer im St. Pöltener Stadtgebiet verbaut würden. Die Gerüchteküche brodelt dementsprechend, wobei ein großer Player im Millionen-DKT auch Kasernenkäufer Julius Eberhardt ist. Sogar im Rathaus kursiert mittlerweile, dass er drauf und dran sei, den gesamten Gebäudeblock Ecke Kremser Gasse/Brunngasse bis hin zur Raiffeisenbank in ein City-EKZ samt Tiefgarage zu verwandeln.

„Wir haben nichts am Tisch, dass wir da was planen“, dementiert Ulrike Wagner, die rechte Hand des St. Pöltener Baulöwen in dessen Wiener „Palais Fanto Verwaltungs GesmbH“. Wahr sei nur, dass selbstredend alle Gebäude in diesem Bereich längst dem Herrn Baumeister gehören. Politiker berichten, dass auch die Bauklasse mit Kategorie fünf (20 Meter = vier bis fünf Geschosse) bereits passend gemacht worden sei. Zuvor war nur im Eckbereich des Blocks Höheres möglich.

Schnorrer

Ruhig geworden ist es indes um Eberhardts Kasernencoup. Nachdem der 75-Jährige erklärte, er warte auf Nutzungs-Vorschläge, gab es ein Treffen mit Stadler. Wagner: „Jeder hat halt so seine Vorstellungen“. 12,9 Millionen Kaufsumme hätten auch Schnorrer angelockt. „Die haben gemeint, könnt‘s mir net an Hunderter überweisen?“