Jahrelang haben Nagl und Gobara (3. und 4. von links) um dieses Projekt gekämpft, seit Donnerstag ist es Wirklichkeit.

© KURIER/Johannes Weichhart

st. pölten
10/02/2015

Autismus-Zentrum öffnet die Pforten

Kostenlose Betreuung für Kinder und deren Eltern. Rund 100 Plätze werden in St. Pölten geschaffen.

von Johannes Weichhart

"Ich hatte keine Ahnung, was der von mir will", sagt Marianne Nagl über ihren Sohn David. Blutig habe er sich gebissen, den Kopf gegen die Wand geschlagen, acht Jahre lang keine einzige Nacht durchgeschlafen.Es dauerte, bis die Ärzte feststellten, dass David an Autismus leidet.

Leichter wurde es für Nagl dadurch freilich nicht. "Ich konnte niemanden finden, der ihn betreut. Und als alleinerziehende Mutter hätte ich eigentlich arbeiten gehen müssen."Es gibt viele Familien in NÖ, die von einem ähnlichen Schicksal betroffen sind. Laut Statistik leiden rund 48.500 Kinder an dieser unheilbaren Entwicklungsstörung des Gehirns.Seit Donnerstag können Eltern und Kinder wieder Hoffnung schöpfen. Im Ambulatorium "Sonnenschein" in St. Pölten wurde das erste Autismus-Zentrum Niederösterreichs eröffnet.

Im Rahmen eines Pilotprojektes sollen anfänglich jährlich 40 autistische Kinder individuell therapiert werden. Im Ausbau sollen es dann bis zu 100 Buben und Mädchen aus dem Zentralraum sein.Für eine optimale Behandlung werden die Kinder und deren Familien über zwei bis drei Jahre hindurch mehrmals pro Woche betreut. Die Therapien finden zu Hause, in Kindergärten sowie ambulant im neuen Zentrum statt.Die Betreuungsstätte wird laut Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka vom Land NÖ finanziert und hat Einzelverträge mit den wichtigsten Sozialversicherungsträgern. "Daher müssten die Patienten bzw. deren Angehörigen keine Kosten tragen", betont Sobotka.

Sonja Gobara vom Ambulatorium Sonnenschein, die jahrelang für die Errichtung eines Autismus-Zentrums kämpfte, freute sich sehr über den Startschuss. "Weil wir dadurch auch die Eltern unterstützen und entlasten können." NÖGKK-Vize Norbert Fidler sprach sogar von einem "Leuchtturmprojekt".